BAD KREUZNACH. Rund 1,64 Millionen Euro will Bad Kreuznach in den kommenden fünf Jahren für die digitale Ausstattung seiner sechs Grundschulen einplanen. Der Stadtrat hat sich dabei mit deutlicher Mehrheit für die umfangreichere Variante entschieden: Künftig soll rechnerisch ein mobiles Endgerät für jeweils zwei Schüler zur Verfügung stehen.
Doch wie viel Entscheidungsspielraum hat die Stadt überhaupt? In der Stadtratsdebatte wurde deutlich: Rheinland-Pfalz macht verbindliche Vorgaben für die digitale Bildung. Eine bestimmte Zahl von Tablets oder gar den Einsatz von iPads schreibt das Land allerdings nicht vor.
Digitale Bildung ist Vorgabe des Landes
Rheinland-Pfalz hat bereits 2018 eine Richtlinie zur digitalen Bildung in der Primarstufe erlassen, die seit dem Schuljahr 2019/2020 gilt. Darin werden grundlegende Kompetenzen festgelegt, die Kinder während ihrer Grundschulzeit im Umgang mit digitalen Medien erwerben sollen. Für Bad Kreuznach folgt daraus eine klare Aufgabenteilung: Das Land gibt die pädagogischen Rahmenbedingungen vor. Die Stadt ist als Schulträger dafür verantwortlich, den notwendigen Sachbedarf der Grundschulen bereitzustellen.
Keine Vorgabe für ein iPad pro zwei Schüler
Eine wichtige Grenze gibt es allerdings: Das Land schreibt Bad Kreuznach weder eine Ausstattung von einem Tablet für zwei Schüler noch Geräte eines bestimmten Herstellers vor. Über diesen Umfang entscheidet die Stadt selbst. Zur Auswahl standen in der Stadtratssitzung am 24.September 2026, zwei Varianten. Szenario A sieht ungefähr ein mobiles Endgerät für zwei Schüler vor und kostet bis 2031 rund 1,64 Millionen Euro. Die günstigere Variante B mit ungefähr einem Gerät für drei Schüler wäre mit rund 1,44 Millionen Euro kalkuliert worden.
Der Unterschied beträgt damit über fünf Jahre rund 202.000 Euro.
Stadt will bisherigen Standard nicht wieder abbauen
Für die größere Variante spricht aus Sicht der Verwaltung vor allem der heutige Zustand. Im bisherigen Medienentwicklungsplan war ursprünglich eine Ausstattung von ungefähr einem Gerät für drei Schüler vorgesehen. Durch zusätzliche Förderprogramme während der Corona-Zeit wurde dieser Standard jedoch übertroffen. Inzwischen liegt Bad Kreuznach annähernd bei einem Verhältnis von 1:2. Die günstigere Variante hätte deshalb faktisch bedeutet, diesen Ausstattungsstandard langfristig wieder zurückzufahren.
Tablets sollen auch bei Sprachförderung helfen
In der Stadtratsdebatte wurde deutlich, dass die Geräte nicht lediglich für klassische Unterrichtsaufgaben gedacht sind. FDP-Fraktionschef Christoph Anheuser verwies unter anderem auf das vom Land angebotene Diagnose- und Förderinstrument 2P Primar. Damit können Lernstände von Kindern ermittelt und darauf abgestimmte Förderangebote eingesetzt werden. Eine besondere Rolle spielt dabei auch Deutsch als Zweitsprache. Anheuser bezeichnete die digitale Ausstattung deshalb als mehr als ein „nice to have“. Für ihn gehe es um Bildungschancen und insbesondere um die Sprachentwicklung der Kinder. Auch organisatorisch sieht er Vorteile bei der besseren Ausstattung. Bei einem Verhältnis von 1:2 können sich jeweils zwei Klassen einen vollständigen Klassensatz teilen. Bei einer Ausstattung von 1:3 müssten drei Klassen koordiniert werden.
Kritik an Kosten und Umfang der Digitalisierung
Im Stadtrat gab es allerdings auch Gegenargumente. Angesichts der angespannten Haushaltslage wurde dafür geworben, die günstigere Variante zu wählen. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, wie intensiv digitale Geräte gerade in der Grundschule eingesetzt werden sollten. Ein weiterer Diskussionspunkt war die individuelle Arbeit am Tablet. Im Rat wurde hinterfragt, wie das digitale Lernen mit dem gemeinsamen Lernen im Klassenverband austariert werden sollte. Der grundsätzliche Bedarf an digitaler Ausstattung wurde dabei kaum bestritten. Die Auseinandersetzung drehte sich vielmehr um die Frage, wie umfangreich diese Ausstattung angesichts begrenzter Haushaltsmittel sein sollte.
Warum Bad Kreuznach weiter auf iPads setzt
Auch die Wahl der Geräte wurde diskutiert. Die Grundschulen arbeiten bislang überwiegend mit iPads. Diese Struktur sei über Jahre gewachsen und unter anderem durch frühere Förderprogramme und Beschaffungsmöglichkeiten entstanden. Ein Wechsel auf ein anderes Betriebssystem würde deshalb nicht nur den Austausch der Tablets bedeuten. Geräteverwaltung, Software, Wartung und Teile der Unterrichtsvorbereitung sind inzwischen auf die bestehende Apple-Umgebung ausgerichtet. Hinzu komme nach Darstellung eines Gutachters, dass Apple seine Geräte vergleichsweise lange mit Sicherheitsupdates versorge. Eine zwingende Vorgabe für iPads gibt es dennoch nicht.
1,64 Millionen Euro sind nicht nur für Tablets
Die Gesamtsumme von rund 1,64 Millionen Euro darf zudem nicht mit einem reinen iPad-Programm verwechselt werden. Darin enthalten sind neben mobilen Endgeräten unter anderem PCs und Laptops, Präsentationstechnik, Software, Lade- und Lagertechnik sowie Netzwerk- und Servertechnik. Für 2027 sind zunächst rund 303.000 Euro kalkuliert. In den folgenden Jahren bewegen sich die Ansätze zwischen rund 302.000 und 365.000 Euro. Diese Beträge sind mit dem Medienentwicklungsplan allerdings noch nicht automatisch ausgegeben. Die erforderlichen Mittel müssen Jahr für Jahr in den jeweiligen städtischen Haushalt aufgenommen und beschlossen werden.
Klare Mehrheit für die bessere Ausstattung
Am Ende entschied sich der Stadtrat deutlich für Szenario A. 29 Ratsmitglieder stimmten dafür, vier dagegen, zwei enthielten sich. Damit lautet die Bad Kreuznacher Zielmarke für die kommenden fünf Jahre weiterhin ungefähr ein mobiles Endgerät für zwei Grundschüler. Die Stadt erfüllt damit die Anforderungen an die digitale Bildung nicht nur, sondern entscheidet sich bewusst dafür, den inzwischen erreichten Ausstattungsstandard zu erhalten.



