Nach einer zweiwöchigen Reise durch die Provinz Baghlan berichtet Vereinsvorsitzende Najiba Behmanesh von größerer Sicherheit, zugleich aber von wachsender Armut und sozialer Not.
Die Vorsitzende des Bad Kreuznacher Vereins „Afghanistan – Hilfe die ankommt e.V.“, Najiba Behmanesh, ist im August zwei Wochen durch die nordafghanische Provinz Baghlan gereist. Gemeinsam mit Afghanistan-Expertin Dr. Katja Mielke vom Bonn International Center for Conflict Studies besuchte sie dort Projekte des Vereins. Nach Einschätzung Behmaneshs bleibt humanitäre Hilfe auch unter der Herrschaft der Taliban möglich.
Behmanesh berichtet von verbesserter Sicherheitslage
Nach Angaben von Behmanesh hat sich die Sicherheitslage in der Region deutlich verbessert. Anschläge und Überfälle gebe es nicht mehr, außerdem könne man sich innerhalb der Provinz sicher bewegen und reisen. Gleichzeitig hätten Armut und soziale Not stark zugenommen. Deshalb sieht der Verein weiterhin einen großen Bedarf an Hilfe für besonders betroffene Familien.
Verein unterstützt aktuell 95 Familien
Ein Schwerpunkt sind Familienpatenschaften. Der Verein unterstützt derzeit 95 Familien, in denen keine männliche Person arbeiten kann und Frauen allein für die Kinder sorgen. Regelmäßige Geldzahlungen sollen Lebensmittel finanzieren und damit den Lebensunterhalt sichern. Voraussetzung für die Unterstützung ist, dass die Kinder die Schule besuchen und nicht arbeiten müssen. Wegen des knappen Brennmaterials plant der Verein für den kommenden Winter außerdem eine einmalige zusätzliche Hilfe.
Weitere Brunnen und Baumpflanzungen geplant
In der Umgebung von Pul-i-Khumri hat die Afghanistan-Hilfe nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren 13 Brunnen gebaut. Vier neuere Anlagen besuchte Behmanesh während ihrer Reise. Bei einem Brunnen sei die Wasserqualität allerdings nicht ausreichend, weshalb er neu gebohrt werden müsse. In einigen Dörfern fehlt weiterhin eine Trinkwasserversorgung. Kinder müssten teilweise mehr als eine Stunde laufen, um Wasser zu holen, und könnten deshalb häufig nicht zur Schule gehen. Neben weiteren Brunnen will der Verein künftig auch Wiederaufforstungsprojekte unterstützen. Behmanesh plant dafür im Februar 2027 eine weitere Reise. Zunächst sollen an jedem Brunnenstandort 500 Bäume gepflanzt werden.
Schulpatenschaften für Mädchen ab Klasse sieben
Seit zwölf Jahren betreibt der Verein eine Schule, in der Mädchen bis zur sechsten und Jungen bis zur fünften Klasse unterrichtet werden. Ab 2027 will die Afghanistan-Hilfe besonders Mädchen unterstützen, die nach der sechsten Klasse keine staatliche Schule mehr besuchen dürfen. Ihnen soll der Besuch privater Schulen ermöglicht werden. Nach Angaben von Behmanesh kostet ein solcher Schulplatz 20 Euro pro Monat. Deshalb sucht der Verein Unterstützer für Schulpatenschaften. An den privaten Schulen arbeiten zudem Lehrerinnen, die andernfalls keine Beschäftigung hätten.
Medizinische Hilfe bleibt weiterer Schwerpunkt
Bei ihren jährlichen Reisen behandelt die Allgemeinmedizinerin Behmanesh akut und chronisch erkrankte Menschen. Außerdem verteilt sie Medikamente und organisiert Behandlungen in Kliniken.Dabei arbeitet sie nach Angaben des Vereins häufig mit Dr. André Borsche von Interplast Germany e.V. zusammen. Im November soll Interplast ein vierjähriges Mädchen mit schweren Verbrennungen behandeln.
Behmanesh fordert Rechte für Frauen und Mädchen ein
Mit Blick auf Gespräche über Rückführungen von Afghanen fordert Behmanesh nach Angaben des Vereins, dass die Bundesregierung bei Verhandlungen mit den Taliban die Rechte von Frauen sowie den Zugang von Mädchen zu Schule und Studium einfordert.
Afghanistan-Abend am 7. November
Über die Arbeit des Vereins und die aktuelle Lage in Afghanistan informiert „Afghanistan – Hilfe die ankommt“ am Samstag, 7. November 2026, von 18 bis 22 Uhr im Bonhoeffer-Haus in Bad Kreuznach. Dr. Katja Mielke will dort über die politische Entwicklung in Afghanistan sprechen. Dr. André Borsche stellt außerdem die Zusammenarbeit mit Interplast Germany und die Behandlung verletzter Kinder aus Afghanistan in Bad Kreuznach vor.



