Die Mitarbeitenden des Seniorenzentrums Stift St. Martin in Bingen haben sich mit einem öffentlichen Appell gegen die geplante Schließung ihres Hauses zum Sommer 2026 gewandt. In einer gemeinsamen Erklärung zeigen sie sich bestürzt über die Entscheidung und rufen Politik, Kirchen, Kooperationspartner und die Bürgerinnen und Bürger zur Solidarität auf.
Appell an Politik, Kirche und Bevölkerung
„Mit der Unterstützung aller kann noch ein Weg gefunden werden, das Stift St. Martin zu erhalten“, heißt es in dem Schreiben. Die Mitarbeitenden betonen, dass das Altenheim seit über 50 Jahren ein fester Bestandteil der Stadt sei – weit mehr als nur eine Pflegeeinrichtung. Es biete älteren Menschen ein Zuhause und einen sozialen Mittelpunkt. Eine Schließung würde für viele den Verlust ihrer Heimat bedeuten.
Auch für die Stadt Bingen hätte das weitreichende Folgen. Das Motto „Betreuung und Pflege mitten in Bingen“ stehe für gelebte Nächstenliebe und bürgerschaftliches Engagement. Zahlreiche Ehrenamtliche unterstützten das Stift seit Jahren – ein Zeichen der tiefen Verwurzelung in der Stadtgesellschaft.
Gemeinsame Aktionen geplant
Um ihren Protest zu zeigen, planen Mitarbeitende, Angehörige und Bewohner eine Versammlung am 5. November 2025 sowie einen besonderen St.-Martins-Umzug am 8. November. Weitere Informationen dazu sollen in den kommenden Wochen folgen.
Die Mitarbeitenden machen deutlich, dass sie trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage in den vergangenen Jahren alles darangesetzt haben, den Bewohnerinnen und Bewohnern eine würdevolle Pflege zu bieten. Die Herausforderungen durch Pandemie, Fachkräftemangel und steigende Kosten hätten das Haus stark belastet, doch eine Schließung dürfe nicht die einzige Lösung sein.
Forderung nach Unterstützung durch Caritas und Kirche
In ihrer Erklärung stellen die Beschäftigten auch kritische Fragen an die Trägerseite: Warum seien frühere Rücklagen der Carl Puricelli’schen Stiftung nicht rechtzeitig in die Zukunftssicherung investiert worden, und wer profitiere letztlich von der Schließung? „Caritas und Kirche dürfen uns nicht im Stich lassen“, heißt es in dem Schreiben. Die Mitarbeitenden sind überzeugt, dass ihr Engagement, die Fachlichkeit des Teams und die besondere Lage mit Blick auf den Rhein eine solide Grundlage für eine Sanierung und eine positive Zukunft des Stift St. Martin bilden.