Mit einer öffentlichen Zukunftswerkstatt sucht die Pfarrei Heilige Hildegard von Bingen, Rhein und Nahe nach neuen Nutzungen und Partnern für ihre 21 Kirchen. Unter dem Titel „21 Kirchen – 1000 Ideen“ sollen am 24. Oktober Vorschläge gesammelt werden, wie die Gotteshäuser stärker für Vereine, Kultur und andere gesellschaftliche Gruppen geöffnet werden können. Das Ziel sei nicht, Kirchen aufzugeben oder zu Wohnhäusern umzubauen, betonten Pfarrer Markus Lerchl und Denkmalpfleger Norbert Theis im Gespräch mit „Nahe dran“. Vielmehr wolle die Pfarrei möglichst viele Gebäude als Kirchen erhalten und gleichzeitig zusätzliche Nutzungen ermöglichen.
Großer Immobilienbestand nach Zusammenschluss
Die heutige Pfarrei entstand 2025 aus elf zuvor eigenständigen Pfarreien. Ihr Gebiet reicht von Bingen über die Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen bis in den Raum Bad Kreuznach. Zum Gebäudebestand gehören 21 Kirchen, etwa zehn Gemeindehäuser und mehrere Pfarrhäuser. 18 der Kirchen stehen unter Denkmalschutz. Bei den übrigen drei handelt es sich um Betonbauten aus den 1960er-Jahren. Jede dieser Kirchen sei ein wertvolles Gebäude und habe ihre Daseinsberechtigung, erklärte Norbert Theis. Die Kirchen seien nicht nur Gotteshäuser, sondern auch Orte der Begegnung und prägende Mittelpunkte ihrer Gemeinden.
Weniger Mitglieder, Personal und Kirchensteuern
Hintergrund des Projekts ist ein Gebäudeanpassungsprozess des Bistums Mainz. Für die Unterhaltung der Immobilien stehen künftig weniger Kirchensteuermittel zur Verfügung. Gleichzeitig werden die Gemeinden und die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter kleiner. Lerchl verwies auf rund 200 Beerdigungen und lediglich 50 Taufen innerhalb eines Jahres. Auch Gottesdienste könnten nicht mehr an jedem Sonntag in sämtlichen Kirchen angeboten werden. Die meisten Gebäude seien derzeit in einem guten baulichen Zustand. Langfristig würden jedoch Sanierungen und Renovierungen notwendig. Deshalb müsse bereits jetzt geklärt werden, wie deren Erhalt künftig finanziert werden könne.
Kirchen für Kultur und Vereine öffnen
Als mögliche zusätzliche Nutzungen nannte Norbert Theis unter anderem Konzerte, Theateraufführungen, gemeinsames Singen oder Proben von Vereinen. Denkbar seien auch mehrere Nutzer, die sich eine Kirche zu unterschiedlichen Zeiten teilen. Für jedes Gebäude müsse dabei eine individuelle Lösung gefunden werden. Möglich sei beispielsweise auch eine räumliche Trennung zwischen einem ausdrücklich sakralen Bereich und anderen Nutzungsflächen. Bei den denkmalgeschützten Kirchen müssten zudem die Vorgaben zum Erhalt des Gebäudes und teilweise auch des Inventars beachtet werden.
Sinfonieorchester sucht bereits einen Proberaum
Eine erste konkrete Anfrage liege laut Theis bereits vor. Das Sinfonieorchester Rhein-Main suche einen Proberaum für rund 100 Musiker. Die Pfarrei prüfe deshalb, welche Kirche dafür infrage kommen könnte. Eine solche regelmäßige Nutzung könne mit Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen verbunden werden. Gesucht würden allerdings nicht nur gute Ideen, sondern möglichst auch Partner, die sich dauerhaft am Betrieb und am finanziellen Erhalt eines Gebäudes beteiligen.
Zukunftswerkstatt in Gensingen
Die öffentliche Zukunftswerkstatt findet am Samstag, 24. Oktober, von 11 bis 14 Uhr in der Kirche St. Martinus in Gensingen statt. Dort will die Pfarrei über den laufenden Gebäudeprozess informieren, Vorschläge sammeln und mögliche Partner miteinander ins Gespräch bringen. Ideen können außerdem über die Internetseite 21kirchen-1000ideen.de oder per E-Mail an pfarrei.bingen@bistum-mainz.de eingereicht werden. Auf der Projektseite werden auch alle 21 Kirchen vorgestellt.



