Antenne Bad Kreuznach
Die Geschichte Bad Kreuznachs wird oft aus männlicher Perspektive erzählt. Dabei haben Frauen die Stadt über Jahrhunderte hinweg entscheidend mitgeprägt. Genau hier setzt die Stadtführung „Frauen in der Geschichte Bad Kreuznachs“ an, zu der die Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH am Sonntag, 8. März 2026, einlädt. Stadtführerin Elke Walter war dazu bei Patrick Berger im Nahe Dran-Talk.
Frauen tauchen in der klassischen Geschichtsschreibung häufig nur am Rand auf. Straßennamen, Denkmäler und Brunnenfiguren zeigen meist Männer. Ein Blick auf den Originalebrunnen am Kornmarkt macht das deutlich: Dort ist nur eine einzige Frau vertreten.
Elke Walter möchte mit ihrer Führung genau diese Lücke schließen. Sie zeigt Häuser, Plätze und Parks, an denen Frauen gelebt, gearbeitet und gewirkt haben. Dabei verbindet sie historische Fakten mit Anekdoten und Bildmaterial, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein lebendiges Bild der jeweiligen Epoche erhalten.
Die Tour beginnt in der großen Zeit der Kur. Bad Kreuznach war damals ein bedeutender Kurort, der wohlhabende Gäste anzog. Während reiche Damen zur Erholung anreisten, lebten viele einheimische Frauen von der Kur. Sie arbeiteten in Pensionen, als Dienstpersonal oder im Umfeld der Kuranlagen.
Die Führung macht deutlich, wie unterschiedlich Frauen diese Epoche erlebt haben und welche wirtschaftliche Rolle sie für die Stadt spielten.
Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf der Bildhauerin Hanna Cauer. Die Künstlerin aus der bekannten Cauer-Dynastie hat mit ihren Werken bis heute sichtbare Spuren in Bad Kreuznach hinterlassen.
Gleichzeitig wird diskutiert, inwiefern sie Kontakte oder Nähe zu nationalsozialistischen Kreisen hatte. Die Führung ordnet diese Aspekte ein und beleuchtet, wie Künstlerinnen im „Dritten Reich“ arbeiteten und unter welchen Bedingungen sie sich bewegten. Damit wird nicht nur Kunstgeschichte vermittelt, sondern auch ein kritischer Blick auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 geworfen.
Auch Jenny von Westphalen spielt eine Rolle. Sie hielt sich zur Kur in Bad Kreuznach auf und heiratete hier Karl Marx. Als gebildete und politisch interessierte Frau unterstützte sie ihren Mann maßgeblich und prägte dessen Wirken im Hintergrund.
Zum Abschluss der Führung steht „Marie mit de Feierblos“ am Originalebrunnen. Sie ist die einzige weibliche Figur auf dem Brunnen und erinnert daran, wie selten Frauen im öffentlichen Stadtbild vertreten sind. Mit ihrer Feuertrompete sorgte sie bis ins 20. Jahrhundert dafür, dass Brände in der Stadt schnell gemeldet wurden.
Die Stadtführung findet am Sonntag, 8. März 2026, von 11:00 bis 12:30 Uhr statt. Treffpunkt ist das Haus des Gastes in der Kurhausstraße 22–24 in Bad Kreuznach. Der Teilnehmerbeitrag beträgt 8 Euro, für Kurgäste 6 Euro. Kinder und Jugendliche nehmen kostenfrei teil. Tickets sind bei der Touristinformation, online über Ticket Regional oder spontan vor Ort erhältlich.
Wer sich vorab einstimmen möchte, kann hier das ausführliche Gespräch mit Stadtführerin Elke Walter im „Nahe Dran“-Podcast von vergangenem Jahr anhören und mehr über die Idee hinter der Führung erfahren.
Geschrieben von: Patrick Berger
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