Antenne Bad Kreuznach
BAD KREUZNACH. Es war die zentrale Frage der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr: Wie geht es mit der Quellenhofbrücke weiter? Nach der schlagartigen Sperrung im Dezember herrscht nun Gewissheit über das Ausmaß der Schäden.
Die Quellenhofbrücke Bad Kreuznach ist seit dem 12. Dezember vollständig gesperrt. Auslöser war eine vorgezogene Hauptprüfung durch ein externes Ingenieurbüro. Dabei ließ sich die Standsicherheit des Bauwerks nicht mehr abschließend beurteilen. Weil weder Verwaltung noch Prüfer die Tragfähigkeit garantieren konnten, ordnete die Stadt die Sperrung umgehend an – ausdrücklich aus Gründen der Verkehrssicherheit. Oberbürgermeister und Presse wurden nach Angaben der Stadt unmittelbar informiert.
Der Schritt ist einschneidend, denn die Brücke gehört für viele zur täglichen Route. Gleichzeitig gilt: Wenn die Tragfähigkeit nicht sicher belegt werden kann, darf niemand mehr darüber.
Der Standort wird seit rund 200 Jahren als Querung genutzt – zuerst als Fährstelle, später als Holzsteg. Ab Ende des 19. Jahrhunderts folgte eine Hängebrücke, die wegen starker Schwingungen im Volksmund als „Schaukelbrücke“ galt und 1918 durch Hochwasser zerstört wurde.
1954 entstand die heutige Stahl-Hängebrücke, rund zwei Meter breit und damals als „kleine Golden-Gate-Brücke“ bezeichnet. Seitdem gab es regelmäßige Instandsetzungen, vor allem wegen Korrosion, Materialermüdung und Schäden an Trag- und Aufhängungselementen. Bereits vor rund zehn Jahren erkannte das Bauamt nach Angaben der Stadt, dass die Brücke mittelfristig an Grenzen stößt. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von 2015 stellte Sanierung und Neubau gegenüber und hielt langfristig einen Ersatzneubau für möglich.
Schon 2015 wurde darauf hingewiesen, dass fortschreitende Schäden eine Sanierung irgendwann wirtschaftlich unsinnig machen. „Mittelfristig“ wurde dabei mit sechs bis zehn Jahren definiert – dieser Zeitraum ist inzwischen erreicht.
Zwischenzeitlich gab es Pläne für Modernisierung und barrierefreie Erschließung, samt Strömungsuntersuchungen und Wettbewerbsvorbereitungen. Weiterverfolgt wurden sie jedoch nicht, unter anderem wegen ungeklärter Grundstücksfragen und personeller Ausfälle im Bauamt.
Die jüngste Prüfung beschreibt ein stark fortgeschrittenes Schadensbild. Tragende Stahl-Längsträger weisen massive Korrosionsschäden auf, teils mit Durchrostungen und deutlich verringertem Restquerschnitt. Bei Hängern und Schweißverbindungen wurden mehrere angerissene Schweißnähte festgestellt; die Zahl beschädigter Hänger stieg innerhalb weniger Jahre von einem auf acht. Auch Pylone und Verankerungen sind betroffen: stark korrodierte Anker beeinträchtigen die Stabilität, zudem sind Schleifspuren durch ständige Schwingungen dokumentiert.
Querträger und Gehweg zeigen weit fortgeschrittene Korrosion und erste Schäden am Belag. Messungen weisen außerdem Verformungen nach: Tragende Bauteile stehen teils mehrere Zentimeter außerhalb der vorgesehenen Lage. Zusätzlich sind die Vorlandbrücken seit Jahren nur noch notunterstützt, mit Betonabplatzungen, freiliegender Bewehrung und reduzierter Tragfähigkeit.
Neben Korrosion gilt die Ermüdung durch Schwingungen als zentrales Risiko. Weil wesentliche Eingangsdaten fehlen, lässt sich die Restlebensdauer nicht seriös bestimmen; die Standsicherheit gilt aktuell als unbestimmt. Eine Sanierung wäre technisch hochkomplex, teuer und risikobehaftet. Frühere Schätzungen lagen bereits bei 70 bis 80 Prozent eines Neubaus, nach heutigem Kenntnisstand wären die Kosten deutlich höher. Die fachliche Tendenz lautet daher: kein weiteres Sanieren, sondern – sofern die Querung weiter benötigt wird – ein Ersatzneubau.
Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, bis zur nächsten Sitzungsrunde belastbare Szenarien zu erarbeiten. Zur Debatte stehen:
1. Eine aufwendige Generalsanierung, um die historische Optik des Wahrzeichens zu retten.
2. Ein moderner Ersatzneubau, der funktionaler, aber optisch ein Bruch mit dem gewohnten Stadtbild sein könnte.
Klar ist seit gestern Abend vor allem eines: Ohne massive finanzielle Unterstützung durch das Land wird die Lücke im Stadtbild noch lange bestehen bleiben. Der Ausschuss stellte klar, dass Bad Kreuznach die Kosten für einen Ersatzneubau oder eine historische Rekonstruktion – die Schätzungen gehen bereits jetzt in den hohen einstelligen Millionenbereich – nicht allein stemmen kann.
Die Kernforderungen der gestrigen Debatte:
• Sonderförderung: Die Stadt fordert vom Land Rheinland-Pfalz eine Einstufung als „Infrastrukturprojekt von besonderer touristischer Bedeutung“, um Fördersätze von bis zu 90 % zu erreichen.
• Beschleunigtes Verfahren: Da die Brücke eine zentrale Achse des rheinland-pfälzischen Tourismusnetzes darstellt, wird auf eine Verkürzung der bürokratischen Wege gedrängt.
Die Verwaltung wurde nun beauftragt, bis zur nächsten Sitzung eine detaillierte Gegenüberstellung der Kosten für eine Sanierung im Bestand versus einen architektonisch anspruchsvollen Neubau vorzulegen. Das Ziel ist klar: Die Quellenhofbrücke soll erhalten bleiben – in welcher Form auch immer.
Geschrieben von: Lena Winterfeld
Copyright Antenne Bad Kreuznach - Ihr Radio für die Rhein-Nahe Region