Bad Kreuznach

Bürgermeister Thomas Blechschmidt: „Einfach mal machen“

today14. Januar 2026

Hintergrund
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Begrünungsmaßnahmen in Bad Kreuznach standen im Finanzausschuss am 12. Januar 2026 unter einem Leitgedanken, der wie eine Arbeitsanweisung klang: „einfach mal machen“. Bürgermeister Thomas Blechschmidt knüpfte an die letzte Stadtratssitzung 2025 an, in der kurzfristige Schritte fürs Frühjahr angekündigt worden waren. Nicht ein neuer Masterplan, sondern ein schneller Einstieg soll zeigen, was in der Innenstadt sofort möglich wäre.

Dafür hatte es zuvor einen Rundgang durch die Innenstadt gegeben. Dabei wurden Chancen geprüft, aber auch Grenzen sichtbar: Viele Ideen scheitern an einem dichten Leitungsnetz im Untergrund, beispielhaft in der Mannheimer Straße. Außerdem kollidierten Begrünungsvorhaben im Straßenraum schnell mit Markisen, Außenbestuhlung oder Anliegerinteressen. In der Sitzung wurde dennoch betont, man wolle nicht warten, sondern Vorarbeiten wie Entsiegelung, Aufbruch und Materialbestellungen im Frühjahr rechtzeitig angehen.

Zur Präsentation waren der örtliche Bauhof und das Grünflächenamt eingeladen. Die Bilder in der Präsentation waren mit Hilfe von KI erstellt worden; die Verwaltung wies darauf hin, dass es teilweise nur Beispielvisualisierungen seien. Die Finanzierung sei grundsätzlich über das KIPKI Programm (Klimaschutz-/Klimaanpassungsprogramm) vollständig gesichert.

Hitze als Begründung, Innenstadt als Ziel

Der Pragmatismus hatte einen ernsten Hintergrund: Hitze. In der Sitzung wurde die Belastung durch die Kessellage und Regenarmut betont. Als Hinweis wurden Messungen am Kornmarkt und am Europaplatz genannt, an mehreren Tagen sei es dort über 43 Grad gewesen. Begrünungen wurden deshalb als kleine, lokale Klimaanpassung verstanden, nicht als dekoratives Beiwerk. Jedes zusätzliche Grün solle das Mikroklima verbessern, vor allem in stark versiegelten Bereichen.

Gleichzeitig verband die Verwaltung das Motto mit Innenstadtzielen: mehr Aufenthaltsqualität, ein freundlicheres Stadtbild und längere Verweildauer. Das könne den Einzelhandel stützen und mittelbar auch Gewerbesteuereinnahmen beeinflussen.

Begrünungsmaßnahmen in Bad Kreuznach: fünf Orte, fünf Lösungen

Aus dem Rundgang waren fünf Maßnahmen entstanden, die nach Darstellung der Verwaltung zeitnah umsetzbar waren. Am Kornmarkt setzte das Konzept auf mobile Baumkübel, weil klassische Pflanzlöcher nicht möglich seien. Die Kübel sollten transportabel sein und sich bei Veranstaltungen versetzen lassen. Der Konflikt mit dem Marktbetrieb blieb ein Thema. In der Sitzung fiel der Satz „Es geht nicht“ solle nicht der Maßstab sein; man wolle mit Marktmeister und Marktbeschickern Lösungen finden.

An der Nahebrücke ging es um vier Betonbänke, die im Sommer als zu heiß beschrieben wurden. Weil in den Brückenkörper nicht eingegriffen werden dürfe, wurde eine Aufsatzbegrünung vorgeschlagen: Kübel, Rankpflanzen und ein Gestell, das an den Bänken befestigt werden könne, möglichst ohne Bohrungen. Das sollte schnell montierbar und relativ günstig sein.

Diskutiert wurden außerdem begrünbare Bögen an Übergängen zwischen Kornmarkt und Neustadt. Sie sollten Stadträume markieren und zugleich saisonale Beleuchtung ermöglichen. Organisatorisch wurde betont, dass Leitungen auf städtischem Grund einfacher zu führen seien und die Bögen die Weihnachtsbeleuchtung über gespannte Drähte samt Prüfpflichten teilweise ersetzen oder erleichtern könnten.

Am Michel-Mort-Platz in Bad Kreuznach bekam das Motto eine soziale Komponente. Der Platz wurde als vernachlässigt beschrieben: wenig geschnittene Bäume, ein seit Jahren abgeschalteter Brunnen, ungepflegtes Umfeld, ein Wandgemälde ohne Wirkung. Vorgesehen waren Entsiegelung und Bepflanzung, außerdem offenbar kostenneutrale Bäume über Spenden.

Am Mahler-Müller-Platz, ein städtisches Gelände mit jahrelangem Provisorium, soll ein kleiner „Pocket Park“ entstehen: Entsiegelung mit wassergebundener Decke, eine Grünwand oder Hecke als Ordnung für Müllbereiche und ein Bäume.

Wo „einfach“ nicht reicht: Wilhelmstraße

Abseits des Begrünungspakets wurde ein Bereich an der Wilhelmstraße hinter der Kreuzkirche als chronisches Müllproblem geschildert, teils mit Sperrmüll in erheblichen Ausmaß. Heckenverlängerungen und Abgrenzungen hätten nicht geholfen, der Müll habe sich nur verlagert. Eine reine Verschönerung werde dort nicht reichen.

Als strukturelle Lösung wurde ein Lückenschluss durch Bebauung skizziert. Dafür brauche es politische Entscheidungen im Stadtrat und eine Klärung von Grundstücksfragen, gegebenenfalls durch Tausch oder Neuordnung. Als Beispiel wurde genannt, dass die GEWOBAU dort bezahlbaren Wohnraum schaffen könnte. Kurzfristig wurde ein Bauzaun mit mehrsprachigen Plakaten und Visualisierungen diskutiert; die Ratsmitglieder sollten das Thema in die Fraktionen mitnehmen.

Zum Schluss blieb damit der Kern der Debatte: „einfach mal machen“ sollte bei den fünf Begrünungspunkten heißen, Hindernisse nicht zum Abbruchkriterium zu machen, sondern Lösungen zu organisieren. In der Hoffnung, dass Verwaltungsmechanismen diesen Aktionismus nicht ausbremsen, kann sich Bad Kreuznach auf mehr Grün in der Stadt freuen.

Geschrieben von: Lena Winterfeld