Mainz

Mainz baut Gedenkort an alter Deportationsrampe

today20. Juli 2025

Hintergrund
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Ein Ort gegen das Vergessen entsteht

In Mainz hat der Bau eines besonderen Erinnerungsortes begonnen. Der Gedenkort Deportationsrampe entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs – dort, wo während der NS-Zeit Menschen aus Mainz und der Region in Konzentrationslager deportiert wurden. Die Stadt Mainz setzt damit ein starkes Zeichen: Dieses dunkle Kapitel der Geschichte soll sichtbar bleiben und mahnen.

Ein Gelände mit Geschichte

Das Grundstück, auf dem der Gedenkort entsteht, gehört heute dem Bahnunternehmen vlexx GmbH. „Ohne die Unterstützung von vlexx wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen“, betont die Stadt. Denn das Unternehmen stellte nicht nur das Gelände zur Verfügung, sondern erledigte auch wichtige Vorarbeiten.

Schon vor Jahren stießen Bauarbeiter auf Reste der historischen Verladerampe. Diese Spur der Geschichte wurde gesichert – und war der Auslöser für die Idee eines dauerhaften Gedenkortes.

Planung mit Tiefgang und Verantwortung

Bereits 2017 lobte die Stadt einen Wettbewerb für die Gestaltung aus. Den Zuschlag erhielt das Atelier . Schmelzer . Weber gemeinsam mit dem Berliner Bildhauer Prof. Andreas Theurer. Ihr Konzept verzichtet bewusst auf dramatische Symbolik. Stattdessen setzt es auf klare Linien, ruhige Formen und Beteiligung. Ziel ist es, vor allem junge Menschen zur Auseinandersetzung mit der Geschichte zu bewegen.

So wird der Ort gestaltet

Die Bauarbeiten sind bereits weit fortgeschritten. Die Einrichtung der Baustelle ist abgeschlossen. Container stehen, ein Bauzaun wurde errichtet und die Verkehrsführung angepasst. Bald beginnt der Tiefbau. Danach entsteht das Fundament für eine zentrale Betonwand. In diese Wand werden Reste der alten Mauer eingearbeitet.

„Die Namen der deportierten Mainzer Sinti, Jüdinnen und Juden werden in Zinn-Bronze-Buchstaben an der Wand sichtbar gemacht“, heißt es im Konzept.

Ein Spiegelelement aus Edelstahl zeigt Zitate von Menschen, die aus Mainz nach Piaski verschleppt wurden. Umgeben wird der Ort von gestalteten Grünflächen. In den Boden werden große menschliche Schatten eingelassen – sie stehen für die Abwesenheit und das verlorene Leben.

Ein Mahnmal bis Anfang 2026

Der Bau des Gedenkortes wird voraussichtlich bis Anfang 2026 dauern. Mainz erhält damit einen Ort, der nicht nur Erinnerung schafft, sondern auch Raum für Fragen, Gespräche und Lernen bietet. Besonders Schulklassen sollen den Ort künftig besuchen können.

Deportationen aus Mainz: Eine erschütternde Bilanz

Die traurige Bilanz: Zwischen 1940 und 1945 wurden mindestens 1131 jüdische Mainzerinnen und Mainzer sowie Sinti aus der Stadt verschleppt. Am 20. März 1942 fuhr der erste dokumentierte Deportationszug nach Piaski. Am 30. September 1942 wurden 883 Menschen nach Treblinka deportiert. Auch Sinti waren bereits im Mai 1940 Opfer von Zwangsumsiedlungen ins besetzte Polen.

Ein Ort für alle Generationen

Der neue Gedenkort Deportationsrampe soll nicht nur Erinnerungsstätte sein. Er wird ein Platz, an dem sich Menschen mit der Geschichte auseinandersetzen können – offen, nachdenklich und gemeinsam. Für die Stadt Mainz ist es ein Projekt mit Herz, Verstand und Haltung.

Geschrieben von: Lena Winterfeld