Antenne Bad Kreuznach
In Bad Kreuznach soll der Wohnungsbau deutlich schneller vorankommen. Mit dem sogenannten „Bauturbo“ will die Stadt Verfahren vereinfachen, Entscheidungen beschleunigen und damit dringend benötigten Wohnraum schneller schaffen. Die Leitlinien dazu stehen jetzt auf der Agenda des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr.
Der „Bauturbo“ ist Teil eines bundesweiten Ansatzes, um Planungs- und Genehmigungsverfahren zu verkürzen. Die Regelung ist zunächst bis Ende 2030 angelegt. Ziel ist klar: Bauprojekte sollen nicht mehr über Jahre hinweg in Abstimmungsprozessen feststecken, sondern zügig umgesetzt werden.
Gerade in Städten wie Bad Kreuznach, wo Wohnraum knapp ist, wird dieser Ansatz als wichtige Chance gesehen. Durch flexiblere Vorgaben sollen unter anderem Nachverdichtungen erleichtert und bestehende Flächen besser genutzt werden.
Ein zentraler Baustein des Bauturbos ist die Neuordnung der Entscheidungswege. Künftig kann die Verwaltung – konkret der Baudezernent (in Bad Kreuznach der Oberbürgermeister Emanuel Letz) – kleinere Bauvorhaben mit bis zu 15 Wohneinheiten eigenständig genehmigen. Größere Projekte werden weiterhin im Ausschuss beraten.
Damit sollen langwierige Abstimmungsprozesse reduziert werden. Entscheidungen können schneller getroffen werden, ohne dass jedes einzelne Vorhaben mehrere Gremien durchlaufen muss. Für Investoren und Bauherren bedeutet das mehr Planungssicherheit und kürzere Wartezeiten.
Auch bei der Bürgerbeteiligung setzt der Bauturbo auf ein pragmatisches Vorgehen. Anstatt verpflichtender Verfahren in jedem Einzelfall soll künftig situationsabhängig entschieden werden, wann eine Beteiligung sinnvoll ist. Ziel ist es auch hier, Verfahren nicht unnötig zu verzögern, gleichzeitig aber bei größeren oder sensiblen Projekten weiterhin Transparenz zu gewährleisten.
Die Leitlinien eröffnen zudem neue Spielräume für Bauvorhaben. So kann etwa dichter gebaut werden, und auch Nachverdichtungen – beispielsweise auf bislang ungenutzten Flächen – werden erleichtert. Gleichzeitig bleiben aber wichtige Schutzmechanismen bestehen: Bauprojekte in Naturschutzgebieten, Überschwemmungsflächen oder sensiblen Bereichen sind weiterhin ausgeschlossen.
Damit neue Bauprojekte auch tatsächlich umgesetzt werden, sieht der Bauturbo verbindliche Fristen vor. Bauherren müssen innerhalb von zwei Jahren mit dem Bau beginnen und das Projekt in einem festgelegten Zeitraum abschließen. Zusätzlich will die Stadt verhindern, dass Genehmigungen lediglich zur Wertsteigerung genutzt werden. Wird ein Projekt vor Fertigstellung weiterverkauft, kann die Stadt an möglichen Gewinnen beteiligt werden.
Trotz der geplanten Beschleunigung bleibt der Klimaschutz ein fester Bestandteil der Vorgaben. Begrünte Flächen, Baumpflanzungen sowie Photovoltaik oder Gründächer sind weiterhin vorgesehen. Damit verfolgt die Stadt das Ziel, schneller zu bauen – ohne dabei ökologische Standards aufzugeben.
Mit dem Bauturbo setzt Bad Kreuznach auf mehr Tempo in der Stadtentwicklung. Schnellere Verfahren könnten dazu beitragen, dringend benötigten Wohnraum zeitnah zu schaffen und Projekte effizient umzusetzen. Gleichzeitig wird sicherlich die morgige Diskussion im Bauausschuss zeigen, wie die Balance zwischen Beschleunigung, Beteiligung und sozialer Ausgewogenheit konkret ausgestaltet werden kann. Klar ist: Der Wunsch nach schnellerem Bauen eint viele – der Bauturbo soll dafür die Grundlage schaffen.
Geschrieben von: Lena Winterfeld
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