Mehrere Klinikträger haben Interesse an einer Beteiligung am Klinikum Idar-Oberstein bekundet. Sie wollen die bisher von der Saarland-Heilstätten GmbH gehaltenen Gesellschaftsanteile in Höhe von 50,05 Prozent übernehmen. Die übrigen Anteile sollen in kommunaler Hand bleiben. Der Klinikbetrieb ist von dem laufenden Auswahlverfahren nicht betroffen und wird nach Angaben der Gesellschafter wie gewohnt fortgeführt.
SHG gibt Mehrheitsanteil vollständig ab
Der geplante Wechsel soll als sogenannter Share Deal erfolgen. Dabei übernimmt der neue Partner unmittelbar die bislang von der SHG gehaltenen Gesellschaftsanteile. Hintergrund ist der geplante Ergänzungsneubau des Klinikums. Dafür werden langfristige finanzielle Sicherheiten benötigt. Die Saarland-Heilstätten GmbH kann diese nach Angaben der Gesellschafter aus kommunalaufsichtlichen Gründen nicht im erforderlichen Umfang mittragen und gibt ihren Anteil deshalb vollständig ab. Die Gesellschafter hatten die Neuaufstellung einvernehmlich beschlossen. Bereits im November 2025 brachten die beteiligten Kommunen ein Bürgschaftspaket zur Absicherung der Finanzierung des Neubaus auf den Weg.
Kommunale Gremien behalten Entscheidungshoheit
Ein neuer Mehrheitsgesellschafter kann nur mit Zustimmung der zuständigen politischen Gremien einsteigen. Die Angebote und die dazugehörigen Medizinkonzepte werden dem Kreistag, den beteiligten Stadträten und dem Verbandsgemeinderat zur Beratung vorgelegt. Damit sollen der kommunale Einfluss und die politische Kontrolle über die weitere Entwicklung des Klinikums erhalten bleiben. Die Bürgermeister Bernd Alsfasser und Günther Jung sehen das Interesse mehrerer Klinikträger als positives Signal für eine verlässliche medizinische Versorgung in Baumholder und der Region.
Namen bleiben vorerst vertraulich
Das Interessenbekundungsverfahren war am 20. August bundesweit gestartet worden. Sechs Wochen später ziehen die kommunalen Gesellschafter eine positive Zwischenbilanz. Wie viele Interessenten sich gemeldet haben und um welche Unternehmen es sich handelt, wird derzeit nicht veröffentlicht. Das Verfahren sei vertraulich, um rechtliche Anforderungen einzuhalten und das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Landrat Miroslaw Kowalski wertet das Interesse namhafter Träger als Bestätigung des eingeschlagenen Weges und als Hinweis auf eine gute Zukunftsperspektive des Klinikstandortes. Oberbürgermeister Frank Frühauf sieht in der Resonanz ebenfalls ein wichtiges Signal. Gesucht werde nicht lediglich ein Nachfolger für den bisherigen Mehrheitsgesellschafter, sondern der beste Partner für die Menschen in der Region.
Datenraum öffnet Mitte Oktober
In der nächsten Verfahrensstufe wird Mitte Oktober ein geschützter digitaler Datenraum geöffnet. Die ausgewählten Interessenten erhalten darin Einblick in Finanzen, Verträge und Leistungen des Klinikums. Der Datenraum bleibt voraussichtlich bis Mitte Dezember geöffnet. Anschließend sollen die Interessenten zunächst unverbindliche Angebote abgeben.
Finale Angebote Anfang 2027
Die entscheidende Phase beginnt Anfang des kommenden Jahres. Dann sollen die verbliebenen Bieter ihre endgültigen Angebote einreichen. Diese müssen neben der wirtschaftlichen Tragfähigkeit auch ein detailliertes Medizinkonzept für die Zukunft des Klinikums enthalten. Klinikleitung und Betriebsrat werden nach Angaben der Gesellschafter eng in das weitere Verfahren eingebunden. Ziel ist es, das Auswahlverfahren im ersten Quartal 2027 abzuschließen. Änderungen am Zeitplan bleiben jedoch möglich.
Beratungsunternehmen steuert Verfahren
Die kommunalen Gesellschafter haben die Steuerung und rechtliche Absicherung des Auswahlverfahrens an die Dornbach Health Care GmbH übertragen. Das Beratungsunternehmen verantwortet den Prozess unter Federführung der Rechtsanwältin Carola Hollnack.


