Antenne Bad Kreuznach
Im Radiotalk Nahe Dran auf der Antenne war diesmal Annalena Prott zu Gast. Sie ist Pfarrerin der Interkulturellen Gemeinde an Nahe und Glan und spricht mit Moderator Patrick Berger über ihre Arbeit, über gesellschaftliche Verantwortung und über Menschen, die in Bad Kreuznach eine neue Heimat suchen.
Die Interkulturelle Gemeinde ist weit mehr als ein klassisches Kirchenprojekt. Sie versteht sich als Gemeinschaft, die Vielfalt bewusst lebt. Dabei geht es um Herkunft, Sprache und Kultur, aber auch um ganz alltägliche Unterschiede.
Die Interkulturelle Gemeinde an Nahe und Glan ist ein Projekt des evangelischen Kirchenkreises mit Sitz in Bad Kreuznach. Gleichzeitig ist sie ein offener Raum für Menschen aus vielen Ländern, die hier ankommen möchten. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf der Flüchtlingsarbeit, denn viele Besucherinnen und Besucher haben Fluchterfahrung. Annalena Prott beschreibt die Arbeit als bewusst transkulturell. Das bedeutet, dass Unterschiede nicht getrennt nebeneinanderstehen, sondern sich mischen dürfen. Genau dadurch entsteht Gemeinschaft, die trägt und verbindet.
Ein zentrales Element der Gemeindearbeit sind verschiedene Teams. Sie bieten Raum für Begegnung und Austausch. Beim gemeinsamen Kochen lernen die Teilnehmenden neue Kulturen kennen, während sie zusammen essen und lachen. Andere Gruppen setzen auf Spiele, Ausflüge oder Gespräche, um Vertrauen aufzubauen. Auch Spiritualität hat ihren festen Platz. In der Gebetsgruppe finden Menschen einen Ort, um Sorgen zu teilen, gemeinsam zu beten und über das Weltgeschehen zu sprechen. Gerade für Menschen mit Familie in Krisenregionen ist das ein wichtiger Halt.
Die Interkulturelle Gemeinde an Nahe und Glan ist ein sogenannter Erprobungsraum. Ziel ist es, Kirche neu zu denken und neue Wege zu gehen. Dabei stehen nicht Gebäude im Mittelpunkt, sondern Menschen und ihre Lebensrealität. Annalena Prott erklärt, dass dieser Ansatz hilft, näher an den Bedürfnissen der Menschen zu bleiben. Verantwortung wird geteilt, Ehrenamtliche gestalten aktiv mit und neue Formen von Gemeinschaft entstehen.
Im Talk spricht Annalena Prott auch über die Sorgen vieler Gemeindemitglieder mit Blick auf den Iran. Viele haben wochenlang keinen Kontakt zu ihren Familien gehabt. Diese Ungewissheit prägt den Alltag und belastet stark. Ein weiteres großes Thema ist die Wachssammelaktion für die Ukraine. Aus Kerzenresten entstehen sogenannte Büchsenlichter, die beim Kochen, Wärmen und Überleben helfen. Allein bei der letzten Aktion kamen über zwei Tonnen Wachs zusammen – ein starkes Zeichen der Solidarität aus der Region. Neben Kerzen und Wachsresten werden auch Verbandsmaterial, KFZ-Verbandskästen, Bettwäsche (Laken, Kissen- und Plumeaubezüge, Betttücher), Reißverschlüsse (mindestens 75 cm lang), Klettverschlüsse, Wolle, weißes Gummiband sowie Geld gebraucht. Bis 30. Juni 2026 können die Materialien in der Kurhausstraße 6 abgegeben werden – montags bis donnerstags von 9-17, freitags von 9-13 Uhr.
Das Gespräch mit Annalena Prott zeigt, wie eng lokale Arbeit und weltpolitische Themen miteinander verbunden sind. Es geht um Menschlichkeit, Verantwortung und um die Frage, wie Zusammenleben gelingen kann. Das komplette Gespräch mit Annalena Prott gibt es hier im Nahe Dran Podcast zum Nachhören. Mehr Informationen gibt es auch auf den Internetseiten der Interkulturellen Gemeinde an Nahe und Glan und dem Evangelischen Kirchenkreis An Nahe und Glan.
Geschrieben von: Patrick Berger
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