Auf dem Kreuznacher Jahrmarkt beginnt in diesem Jahr eine neue Riesenrad-Ära: Die Schaustellerfamilie Kipp ersetzt das bekannte Europarad durch den moderneren „Eye Catcher“. Für die Besucher soll sich das vertraute Bild auf der Pfingstwiese trotzdem kaum verändern.
Das neue Riesenrad ist genauso groß wie sein Vorgänger und besitzt auch die gleiche Anzahl an Gondeln. Nach Einschätzung von Betreiber Willi Kipp wird deshalb ein Großteil der Jahrmarktsbesucher den Wechsel auf den ersten Blick kaum bemerken.
Deutlich weniger Transporte und Personal nötig
Ein entscheidender Unterschied zeigt sich beim Auf- und Abbau. Das Europarad musste aus zahlreichen Einzelteilen zusammengesetzt werden. Dafür waren mehr als 20 Transporte, ein 250-Tonnen-Kran und deutlich mehr Personal erforderlich.
Der „Eyecatcher“ besitzt dagegen drei schwere Mittelbauwagen, die nebeneinandergestellt, miteinander verschraubt und hydraulisch ausgerichtet werden. Auch die Masten und Speichen können weitgehend ohne großen Kran montiert werden.
Im Normalfall lässt sich das neue Rad nach Angaben von Kipp innerhalb von anderthalb bis zwei Tagen aufbauen. Da auf der Pfingstwiese zugleich gründlich gereinigt, kontrolliert und poliert wird, nimmt sich das Team diesmal mehr Zeit.
Wirtschaftliche Gründe gaben den Ausschlag
Für den Wechsel waren vor allem die steigenden Transport- und Betriebskosten ausschlaggebend. Hinzu kommen der Reifenverschleiß und der Personalmangel, der auch die Schaustellerbranche betrifft.
Für den neuen „Eyecatcher“ wird nur noch etwa die Hälfte des bisherigen Personals benötigt. Die Transportkosten liegen laut Kipp bei weniger als der Hälfte. Durch die kürzeren Auf- und Abbauzeiten kann die Familie außerdem Veranstaltungen annehmen, die zuvor zeitlich nicht in den Kalender gepasst hätten.
Auch der Fahrbetrieb läuft weitgehend automatisch. Das Riesenrad kann deshalb von nur einem Mitarbeiter bedient werden.
Geschlossene Gondeln und neuer Eingangsbereich
Die Gondeln des neuen Riesenrades sind vollständig geschlossen. Dadurch soll insbesondere bei Familien mit Kindern das Sicherheitsgefühl verbessert werden. Bereits das Europarad war nach der Corona-Zeit mit geschlossenen Gondeln ausgestattet worden.
Neu gestaltet wurden auch der vollständig überdachte Eingangsbereich und der Ausgang. Statt zwei Ausgängen gibt es nur noch einen, wodurch weniger Grundfläche benötigt wird. An der Vorderseite wartet zudem eine sprechende Figur auf die Besucher.
Individualisierte LED-Anzeigen wird es ebenfalls wieder geben. Während sie beim Europarad nur auf der Vorderseite zu sehen waren, können beim „Eyecatcher“ beide Seiten entsprechend bespielt werden.
Familie Kipp gehört seit Jahrzehnten zum Jahrmarkt
Die aus Bonn stammende Familie Kipp ist seit mehreren Generationen im Schaustellergewerbe tätig. Willi Kipp selbst gehört zur sechsten Schaustellergeneration. Seine Frau, seine Kinder und auch seine drei Geschwister arbeiten ebenfalls in der Branche.
Die Familiengeschichte reicht unter anderem über Verlosungen, Pferdekarussells und einen Musikexpress bis zu den heutigen Riesenrädern. Insgesamt betreibt die Familie vier Räder und ist damit auch häufig in Italien unterwegs.
Auf dem Kreuznacher Jahrmarkt ist die Familie bereits seit Ende der 1980er-Jahre mit einem Riesenrad vertreten. Das Europarad stand seit seinem Debüt im Jahr 1992 regelmäßig auf der Pfingstwiese. Der Jahrmarkt sei für die Familie eine der wichtigsten Veranstaltungen des gesamten Jahres und fest im Kalender verankert, so Kipp.
Eröffnung und Weinprobe am Donnerstag
Der neue „Eyecatcher“ wird am Donnerstag um 17 Uhr mit einem kleinen offiziellen Teil eröffnet. Anschließend findet wie in den vergangenen Jahren die Weinprobe im Riesenrad statt.
Der reguläre Fahrbetrieb beginnt mit der offiziellen Jahrmarktseröffnung am Freitag. Während des Abschlussfeuerwerks bleibt das Riesenrad in Betrieb, seine Beleuchtung wird dafür jedoch ausgeschaltet.
In den sozialen Netzwerken ist das Riesenrad unter dem Namen „Eyecatcher Kipp“ bei Instagram, Facebook und TikTok zu finden.



