Nahe Dran: marionettissimo im PuK

Geschrieben von Thorsten Subat •

Marionetten in ganz unterschiedlichen Formen stehen beim zwölften Festival „marionettissimo“ im Museum für PuppentheaterKultur in Bad Kreuznach im Mittelpunkt. Insgesamt umfasst das Programm 25 Veranstaltungen für Erwachsene und Kinder. Das Festival läuft dieses Mal bis in den Februar hinein. Zu den Höhepunkten gehören Georg Büchners „Léonce und Lena“, eine Neuinterpretation von „Urmel aus dem Eis“, der lange Figurentheaterabend und eine Marionettenfassung von Agatha Christies „Die gelbe Schwertlilie“.

Festival widmet sich dem Spiel am Faden

„marionettissimo“ ist ein Fachfestival für die Kunst des Marionettenspiels. Gezeigt werden klassische und traditionelle ebenso wie moderne Formen der Fadenfigur. Die Marionette gilt als besonders anspruchsvolle Figurentechnik. Erst wenn die Bewegungen am Spielkreuz vollständig verinnerlicht sind, können die Puppenspieler den Figuren scheinbar mühelos Leben einhauchen. Das Festival findet als Biennale alle zwei Jahre statt. In den Zwischenjahren bietet das PuK kleinere Festivals zu anderen Themen und Spieltechniken an.

Zusatzvorstellung für „Léonce und Lena“

Am 23. Oktober steht „Léonce und Lena“ von Georg Büchner auf dem Programm. Diese Vorstellung ist bereits ausverkauft. Deshalb wurde für Samstag, 24. Oktober, eine Zusatzvorstellung angesetzt, für die noch Karten erhältlich sind. Die abstrakt gestalteten Marionetten wurden von dem Hamburger Figurenbildner Jürgen Maaßen aus Lindenholz geschnitzt und lediglich leicht mit Buntstift bemalt. Sie treten ohne Kostüme auf. Passend dazu widmet das Museum Maaßen derzeit eine Sonderausstellung. Sie zeigt Figuren aus unterschiedlichen Phasen seines Schaffens – vom Puppenspiel „Dr. Faust“ über „Das kalte Herz“ bis zu „Der kleine Muck“.

„Urmel aus dem Eis“ für Kinder und Erwachsene

Am 7. November zeigen die Kammerpuppenspiele Bielefeld eine Neuinterpretation des Kinderbuchklassikers „Urmel aus dem Eis“. Vorstellungen sind um 11.15 Uhr, 15 Uhr und 16.30 Uhr geplant. Museumsleiter Markus Dorner richtet das Angebot ausdrücklich auch an Erwachsene, die mit der Geschichte aufgewachsen sind. Gleichzeitig können Kinder die bekannten Figuren in einer neuen Inszenierung kennenlernen.

Vier Programme an einem Abend

Der lange Figurentheaterabend findet am 14. November statt. Die Besucher erleben dabei vier unterschiedliche Programme sowie kulinarische Angebote. Zu sehen ist unter anderem eine Lecture-Performance mit rekonstruierten Bauhaus-Marionetten. Eine Professorin der Kunsthochschule Weimar begleitet die Aufführung am Akkordeon und vermittelt zugleich Hintergründe zur Bauhaus-Kunst. Den Abschluss des Abends bildet Mozarts „Die Zauberflöte“ in einer Interpretation des Marionettentheaters Bille aus München. Dabei werden Gesang, Musik und die Originalorchestrierung von Wolfgang Amadeus Mozart verwendet.

Hercule Poirot ermittelt kurz vor Silvester

Am 30. Dezember ist auch Dorner selbst gemeinsam mit seiner Frau und der „Dornerei“ zu erleben. Aufgeführt wird „Die gelbe Schwertlilie“, ein Kriminalstück nach Agatha Christie. Im Mittelpunkt steht der Detektiv Hercule Poirot. Miss Marple erscheint nach Angaben Dorners erst zum Schlussapplaus – zu spät, weil Poirot den Fall dann bereits gelöst hat.

Kostenloses Angebot für dritte Klassen

Noch bis zum Jahresende können dritte Klassen kostenlos ein Theaterstück und ein museumspädagogisches Projekt im PuK besuchen. Das Angebot trägt den Titel „Erstklassige Marionetten für Drittklässler“. Zum Programm gehören eine Vorstellung, der Museumsbesuch und der Bau einer eigenen Marionette. Finanziert wird das Projekt durch den Förderverein des Museums.

Alle Vorstellungen finden im PuK statt

Sämtliche Festivalveranstaltungen werden im Theatersaal des Museums für PuppentheaterKultur gezeigt. Der Saal verfügt inzwischen über eine neue Lüftungs- und Kühlungsanlage, die mithilfe eines Landeszuschusses und des Fördervereins finanziert wurde. Eintrittskarten können telefonisch oder per E-Mail direkt beim Museum reserviert beziehungsweise erworben werden. Dorner empfiehlt wegen der hohen Nachfrage ausdrücklich den Vorverkauf.

Eines von zwei großen Puppentheatermuseen

Das Bad Kreuznacher PuK gehört nach Angaben des Museumsleiters zu lediglich zwei deutschen Puppentheatermuseen dieser Größe und Ausrichtung. Das zweite befindet sich in Lübeck. Die Dauerausstellung zeichnet die Geschichte und die verschiedenen Erscheinungsformen des Puppentheaters vom 19. bis zum 21. Jahrhundert nach. An 55 Mitmachstationen können die Besucher selbst Figuren bewegen und weitere Elemente des Figurentheaters ausprobieren. Neu in der Sammlung ist eine mehr als 100 Jahre alte Kasperfigur von Karl Magersuppe. Der Puppenspieler erhielt während der Zeit des Nationalsozialismus zeitweise ein Auftrittsverbot, nachdem er sich in seinem Stück „Kasper wird Soldat“ kritisch geäußert hatte.

Informationen, alle Termine und Karten sind auf der Internetseite des Muesums für PuppentheaterKultur zu finden.

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