BAD KREUZNACH. Wie lässt sich Fernwärme künftig klimafreundlicher erzeugen? Mit dieser Frage hat sich eine Delegation aus Bad Kreuznach bei einem Besuch der Partnerstadt Neuruppin beschäftigt. Oberbürgermeister Emanuel Letz reiste rund um den Tag der Deutschen Einheit gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Blechschmidt sowie Vertretern von Stadtverwaltung und Stadtwerken nach Brandenburg. Auf dem Programm standen neben Geothermie und Fernwärme auch Gespräche über Sport, Kultur und die weitere Zusammenarbeit beider Städte.
Kreuznacher informieren sich über Geothermie
Für die Bad Kreuznacher Delegation begann das Programm am 2. Oktober bei den Stadtwerken Neuruppin. Dort informierten die beiden Geschäftsführer Guido Gerlach und Artur Dzasokhov über Fernwärme und die Nutzung von Geothermie. Anschließend besichtigte die Delegation die laufenden Baumaßnahmen. Besonders interessant ist dabei die Größenordnung des Neuruppiner Vorhabens. Heißes Thermalwasser wird aus knapp 2000 Metern Tiefe gefördert und soll künftig für die Fernwärme genutzt werden. Rund 9000 Haushalte hängen am dortigen Fernwärmenetz. Nach Angaben des Landkreises Ostprignitz-Ruppin könnte die Versorgung mit Tiefenwärme im Frühjahr 2027 beginnen. Die Stadtwerke Neuruppin wollen ihre Fernwärme bis Ende 2027 zu mindestens 80 Prozent CO2-frei erzeugen.
Projekt mit erheblicher finanzieller Größenordnung
Für das Geothermie- und Fernwärmeprojekt wurden in offiziellen Angaben Investitionen von rund 27 Millionen Euro genannt. Mehr als zehn Millionen Euro davon sollen über Bundesförderung finanziert werden. Ende 2025 kam zudem eine Zusage für eine Betriebskostenförderung von bis zu 35 Millionen Euro über zehn Jahre hinzu. Sie soll insbesondere die Stromkosten der eingesetzten Wärmepumpen abfedern.
Ob Erfahrungen aus Neuruppin künftig auch für die Energieversorgung in Bad Kreuznach eine Rolle spielen könnten, ist derzeit offen. Konkrete Pläne für ein vergleichbares Geothermieprojekt in Bad Kreuznach wurden im Zusammenhang mit der Reise nicht bekanntgegeben. Stadtwerke-Geschäftsleiter Jörg Fritz interessierte sich während des Besuchs auch für den modernen Neubau des Verwaltungsgebäudes der Neuruppiner Stadtwerke. Darin sieht er nach Angaben der Stadt Neuruppin einen Ansatzpunkt für einen weiteren Erfahrungsaustausch.
Auch Sport und Kultur auf der Tagesordnung
Zur Bad Kreuznacher Delegation gehörten neben Oberbürgermeister Emanuel Letz, Bürgermeister Thomas Blechschmidt und Stadtwerke-Geschäftsleiter Jörg Fritz auch Nils Wachner, Leiter des Amtes für Schulen, Kultur und Sport, sowie Geschäftsleiterin Nathalie Herberger-Lamberty. Sie trafen sich mit Neuruppins Bürgermeister Nico Ruhle, der Beigeordneten Daniela Kuzu, Baudezernent Jan Juraschek, Kulturamtsleiter Mario Zetzsche und der Beauftragten für Städtepartnerschaften Magdalena Yanshin.

Bei den Gesprächen ging es unter anderem um ein Nachhaltigkeitskonzept, einen stärkeren Sport- und Kulturaustausch, Kunst im öffentlichen Raum und die Frage, wie die Städtepartnerschaft im Stadtbild sichtbarer werden kann. Konkrete neue Projekte oder verbindliche Zeitpläne wurden dazu bislang nicht öffentlich genannt.
Eine Partnerschaft aus der Zeit der deutschen Einheit
Der Besuch rund um den 3. Oktober hatte für beide Städte auch historische Bedeutung. Bad Kreuznach und Neuruppin sind seit 1990 miteinander verbunden. Die Partnerschaft entstand noch während der politischen Umbruchphase in der DDR. Die Neuruppiner Stadtverordnetenversammlung stimmte im Januar 1990 zu, der Bad Kreuznacher Stadtrat folgte im Februar. Am Tag der Deutschen Einheit standen für die Bad Kreuznacher Delegation unter anderem eine Stadtführung, Gespräche mit dem Fontane-Büro und ein Austausch über Kulturveranstaltungen auf dem Programm. Außerdem nahm sie am Projekt „Zwischenorte“ teil.
Zum Abschluss besuchten die Bad Kreuznacher eine Lesung der Fontane-Literaturpreisträgerin Peggy Mädler im Alten Gymnasium. Während der Reise wurde zudem der Stadtwerke-Kalender für 2027 vorgestellt. Er enthält zwölf Aufnahmen aus den Neuruppiner Partnerstädten Certaldo in Italien, Babimost in Polen, Nymburk in Tschechien und Bad Kreuznach.
Weitere Nachrichten aus Bad Kreuznach lesen Sie HIER


