Antenne Bad Kreuznach
Zum Internationalen Frauentag war die Schriftstellerin und promovierte Literaturwissenschaftlerin Dr. Petra Urban aus Bingen zu Gast im Radiotalk „Nahe Dran“ auf Antenne Bad Kreuznach. Im Gespräch mit Patrick Berger sprach sie über ihren Werdegang als Autorin, über kreative Schreibkurse für Frauen – und über ihren Vortrag zu Effi Briest von Theodor Fontane.
Schon als Kind wusste Petra Urban, dass sie schreiben möchte. Bücher waren für sie früh „das Allerschönste“. Sie studierte Literatur und Philosophie, promovierte – und erlebte einen besonderen Moment, als sie ihre fertige Doktorarbeit mit ihrem Namen auf dem Buchcover in den Händen hielt.
Ihr erster Roman „Die Maulwürfin“ erschien schließlich im S. Fischer Verlag. Heute hat sie insgesamt 13 Bücher veröffentlicht. Neben Romanen schreibt sie lebensphilosophische Werke und hält Vorträge. Ihr Anspruch: mit Sprache arbeiten, Wissen weitergeben – und gleichzeitig die eigene kreative Freiheit bewahren.
Im Talk macht Urban deutlich, warum sie den Internationalen Frauentag weiterhin für unverzichtbar hält. Zwar hätten Frauen heute viele Erfolge erreicht – auch in Literatur und Kunst. Doch der 8. März sei eine wichtige Gelegenheit, an Schriftstellerinnen und Dichterinnen zu erinnern, die in Vergessenheit geraten sind.
Besonders jüdische Lyrikerinnen wie Mascha Kaléko oder Else Lasker-Schüler haben es ihr angetan. Sie bewundert, wie diese Frauen trotz schwieriger Lebensumstände Lebensfreude und sprachliche Kraft bewahrten. In ihren Vorträgen verbindet Urban Biografisches mit Textauszügen – ein „Klangteppich“ aus Literatur und Geschichte.
Im Mittelpunkt ihres aktuellen Vortrags steht Effi Briest. Der Roman erzählt die Geschichte einer 17-Jährigen, die in eine unglückliche Ehe gedrängt wird, eine Affäre eingeht und schließlich gesellschaftlich geächtet wird. Duell, Scheidung, sozialer Abstieg – am Ende steht eine junge Frau, die an den starren Moralvorstellungen ihrer Zeit zerbricht.
Für Urban ist der Stoff keineswegs „Schnee von gestern“. Themen wie gesellschaftlicher Druck, starre Rollenbilder und strukturelle Ungleichheit seien bis heute relevant. Besonders hebt Urban Figuren hervor, die Menschlichkeit in ein kaltes System bringen – etwa das treue Kindermädchen Roswitha oder den feinfühligen Apotheker Alonzo Gieshübler. Gerade diese Nebenfiguren machten den Roman so lebendig und zeitlos.
Seit rund 30 Jahren bietet Petra Urban Schreibkurse an. Heute organisiert sie bewusst kleine Gruppen für Frauen in ihrem Haus in Bingen. In ihren Kursen geht es sowohl um autobiografisches Schreiben als auch um erfundene Geschichten.
Wie Petra Urban selbst schreibt, wann ihre kreativste Zeit ist und warum gemeinsames Schreiben „kreatives Hören“ bedeutet, erfahren Sie hier im vollständigen Podcast.
Geschrieben von: Patrick Berger
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