Die Stadt Bingen erprobt seit dem 1. November ein digitales System zur Planung von Kontrollen im ruhenden Verkehr. Mithilfe von KI will das Ordnungsamt seine Mitarbeiter gezielter dort einsetzen, wo besonders häufig Probleme auftreten.
Die Stadt Bingen hat gemeinsam mit dem Münchner GovTech-Unternehmen amtelligence ein Pilotprojekt zur Parkraumüberwachung gestartet. Das hat die Stadtverwaltung mitgeteilt. Die digitale Plattform erstellt ein Lagebild und unterstützt damit die tägliche Einsatzplanung des Ordnungsamts.
Dabei kombiniert das System anonymisierte Daten aus dem bestehenden Fachverfahren OWi21 mit den Erfahrungen der Mitarbeiter. Dazu gehören beispielsweise Ort, Zeit und Art früherer Verstöße. Aus diesen Informationen erstellt die Plattform Aufgabenübersichten und Vorschläge für künftige Kontrollen.
Entscheidung bleibt beim Ordnungsamt
Die künstliche Intelligenz entscheidet allerdings nicht selbst, wo Kontrollen stattfinden. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts legen weiterhin fest, welche Bereiche sie überprüfen und wie sie dabei vorgehen.
Nach Angaben der Stadt geht es außerdem nicht darum, möglichst viele Verwarnungen auszustellen. Vielmehr will das Ordnungsamt Gehwege, Einfahrten und Rettungswege gezielter kontrollieren, wenn dort ein besonderer Handlungsbedarf besteht.
Dabei berücksichtigt das Ordnungsamt unterschiedliche Situationen in der Stadt. Dazu gehören unter anderem der Pendlerverkehr rund um den Bahnhof, der Tourismus am Rhein sowie größere Veranstaltungen wie das Winzerfest.
Keine Kennzeichen oder Personendaten
Für das Pilotprojekt verarbeitet die Plattform ausschließlich freigegebene und anonymisierte Daten. Dazu gehören beispielsweise Tatzeit, Tatort, Tatbestand und Bußgeldhöhe.
Die Plattform übernimmt dagegen keine Namen, Kennzeichen, Halterdaten oder Fotos. Das System ortet außerdem weder Mitarbeiter noch Fahrzeuge. Nach Angaben der Stadt erstellt es auch keine Leistungs- oder Verhaltenskontrollen, Rankings oder personenbezogenen Kennzahlen.
Die Stadt hat außerdem den Datenschutz und den Personalrat von Beginn an in das Projekt einbezogen.
Test läuft vier Monate
Der Pilotversuch kostet die Stadt nichts und läuft zunächst bis zum 28. Februar 2027. Bingen hatte das Unternehmen zuvor auf der Bitkom GovTech Expo kennengelernt und sich anschließend als Pilotstadt beworben.
Nach dem Ende der Testphase wollen die Stadt und das Unternehmen prüfen, welchen konkreten Nutzen das System für die Arbeit des Ordnungsamts und für die Bürger gebracht hat. Anschließend entscheidet die Stadt, ob sie die Zusammenarbeit fortsetzt.



