Mehr als 40 Jahre lang hat Gabriela Heins als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem Buch „Patient Pflege – Ansichten von innen“ berichtet die Niederheimbacherin von ihren persönlichen Erfahrungen, lässt weitere Beschäftigte und Patienten zu Wort kommen und formuliert Vorschläge für eine bessere Pflege. Übermorgen stellt sie das Buch auf der Frankfurter Buchmesse vor.
Erfahrungen aus zahlreichen Bereichen
Gabriela Heins begann 1979 mit einem Praktikum im damaligen Stadtkrankenhaus Worms. Von 1980 bis 1983 absolvierte sie dort ihre Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete anschließend zunächst im Krankenhaus. Später war sie unter anderem in einem Pflegeheim und in der häuslichen Intensivpflege tätig. Von 2007 bis 2010 arbeitete sie außerdem in einem französischen Altenheim. Dort erlebte sie nach eigener Einschätzung bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte. Mit zunehmendem Alter wurde der Beruf für die heute 64-Jährige nicht nur körperlich schwieriger. Vor allem die psychische Belastung und ihre Enttäuschung über die Zustände in der Pflege haben ihr immer stärker zugesetzt. Ihr Buch versteht sie deshalb als Abschiedsgeschenk an den Beruf.
Personalmangel belastet Beschäftigte und Patienten
Das größte Problem sieht Heins im Personal- und Fachkräftemangel. Der Pflegeberuf sei für viele Menschen zu unattraktiv. Dazu trügen laut Heins nicht nur wechselnde Arbeitszeiten bei, sondern auch das regelmäßige Einspringen an eigentlich freien Tagen. Über viele Jahre führe diese Belastung dazu, dass Beschäftigte den Beruf vorzeitig verlassen. Eine bessere Bezahlung sei zwar wichtig und zugleich ein Zeichen der Wertschätzung. Geld allein könne die strukturellen Probleme jedoch nicht lösen. Heins betont, dass die Pflege ein vielseitiger, anspruchsvoller und schöner Beruf sei. Gerade deshalb brauche es eine hochwertige Ausbildung. Hilfskräfte seien unverzichtbar, müssten aber gut angeleitet werden. Gleichzeitig würden aber auch ausreichend examinierte Fachkräfte benötigt.
Wenn für grundlegende Hilfe die Zeit fehlt
Der Personalmangel wirkt sich nach den Erfahrungen der Autorin unmittelbar auf die Patienten aus. Im Buch schildert eine ältere Frau unter anderem, wie sie nach einem Sturz lange auf Unterstützung beim Toilettengang warten musste. Auch bei der Ausgabe von Mahlzeiten fehle häufig die notwendige Zeit. Pflegekräfte stellten das Essen ab und müssten sofort zum nächsten Patienten weiter, obwohl sich ein hilfsbedürftiger Mensch möglicherweise nicht selbst aufrichten oder das Tablett erreichen könne. Heins macht dafür nicht fehlende Empathie verantwortlich. Viele Pflegekräfte wollten sich angemessen kümmern, hätten im Arbeitsalltag jedoch nicht genügend Zeit.
Authentische Geschichten und weitere Stimmen
Das Buch „Patient Pflege – Ansichten von innen“ ist keine wissenschaftliche Untersuchung. Es schildert die Entwicklung der Pflege aus der persönlichen Perspektive von Heins und weiterer Menschen, die mit dem Gesundheitswesen verbunden sind. Die Autorin verbindet kurze, authentische Geschichten aus mehreren Jahrzehnten mit Interviews. Zu Wort kommen neben Patienten und Angehörigen auch ihre frühere Ausbilderin, die ehemalige Vorsitzende eines Hebammenverbandes und ein Krankenpfleger und Gewerkschafter. Damit richtet Heins den Blick auch auf verwandte Berufsgruppen und die Folgen von Klinik- und Kreißsaalschließungen. Die Beiträge sind thematisch und nicht streng chronologisch angeordnet.
Premiere auf der Frankfurter Buchmesse
Gabriela Heins präsentiert ihr Buch am Mittwoch um 13 Uhr auf der Frankfurter Buchmesse. Die Lesung findet beim Podium Rheinland-Pfalz in Halle 3.0 am Stand E133 statt. Nach der offiziellen Vorstellung ist „Patient Pflege – Ansichten von innen“ im Buchhandel erhältlich. Herausgegeben wird es von der Edition Maya. Weitere Lesungen in der Region sollen noch geplant werden.



