Der Drachen- und Gleitsegelclub Nahetal möchte seine mehr als 30 Jahre alten Schleppwinden langfristig durch eine moderne Elektrowinde ersetzen. Dafür sucht der Verein im Raum Roxheim, Sommerloch oder St. Katharinen eine Halle, Scheune oder Garage mit Stromanschluss.
Benötigt wird ungefähr die Fläche von zwei Garagen. Dort sollen die beiden vorhandenen Winden, ein Fahrzeug und zwei Rasenmäher untergebracht werden können. Zugleich könnte der Akku einer späteren Elektrowinde an diesem Standort geladen werden.
Alte Winden werden von Käfermotoren angetrieben
Die beiden heutigen Winden des Vereins sind bereits mehr als 30 Jahre alt und werden noch mit Käfermotoren betrieben. Moderne Elektrowinden arbeiten dagegen mit Akkus und können nach Angaben von Vereinsmitglied Björn Sperling bis zu 80 Schleppvorgänge am Tag ermöglichen.
Da die Technik transportiert werden kann, muss der gesuchte Unterstellplatz nicht unmittelbar an den Schleppstrecken liegen. Wichtig seien eine Lage im Raum Roxheim, Sommerloch oder St. Katharinen und ein vorhandener Stromanschluss.
Bis zu 1.200 Meter lange Schleppstrecken
Der Verein nutzt bei St. Katharinen zwei Schleppstrecken. Eine davon ist rund 1.200 Meter lang und 30 Meter breit, die zweite erreicht eine Länge von etwa 800 Metern.
Vor dem Start stabilisieren die Piloten zunächst den Gleitschirm über ihrem Kopf. Anschließend werden sie von der stationären Winde auf ungefähr 300 Meter über Grund gezogen. Dort lösen sie das Schleppseil und können in die Thermik einsteigen oder einen Rundflug unternehmen.
Das Seil sinkt nach dem Ausklinken an einem kleinen Fallschirm zu Boden und wird von der Winde eingezogen. Anschließend bringt es ein Fahrzeug zurück zum Startplatz. Auf diese Weise sind ungefähr zehn Starts pro Stunde möglich.
Thermik ermöglicht stundenlange Flüge
Wie lange ein Flug dauert, hängt entscheidend vom Wetter ab. Finden die Piloten nach dem Ausklinken keine aufsteigende Warmluft, können sie bereits nach fünf Minuten wieder am Boden stehen.
Bei guter Thermik sind dagegen stundenlange Flüge möglich. Die Piloten kreisen dabei ähnlich wie Greifvögel in der aufsteigenden Luft und gewinnen dadurch wieder an Höhe.
Viele Vereinsmitglieder legen auf diese Weise Strecken zwischen 30 und 50 Kilometern zurück. Bei geeigneten Bedingungen seien auch rund 100 Kilometer möglich. Da sich Gleitschirme im Gegensatz zu Ballons gezielt steuern lassen, können die Piloten ihre Flugrichtung selbst bestimmen. Beachten müssen sie dabei die Grenzen der unterschiedlichen Lufträume.
Gleitschirm passt in einen Rucksack
Im Verein wird heute fast ausschließlich mit Gleitschirmen geflogen. Lediglich ein Mitglied ist noch als Drachenflieger aktiv.
Ein Drachen oder Hängegleiter besitzt einen mit Stoff bespannten Metallrahmen oder einen festen Flügel. Der Aufbau und der Transport sind entsprechend aufwendig. Ein Gleitschirm besteht dagegen aus zwei Stofflagen, lässt sich zusammenpacken und als Rucksack tragen.
Für Sperling liegt gerade darin ein großer Reiz. Der frühere Verkehrspilot schätzt außerdem die Ruhe während des Fluges. Statt eines Motors sei lediglich der Wind zu hören, der den Piloten zugleich wichtige Informationen über Geschwindigkeit, Thermik und das Verhalten des Schirms liefere.
Mehr als 200 Mitglieder
Der Drachen- und Gleitsegelclub Nahetal wurde 1994 gegründet. Vorausgegangen war eine Pionierzeit, in der einige der späteren Mitglieder noch ohne Lizenzen flogen und Teile ihrer Ausrüstung selbst bauten.
Gründer Friedhelm Merz pachtete mehr als 20 einzelne Grundstücke zusammen, aus denen die beiden heutigen Schleppgelände entstanden. Mittlerweile gehören dem Club mehr als 200 aktive und passive Mitglieder an. Rund 80 von ihnen sind aktive Piloten.
Der reguläre Flugbetrieb findet von März bis September überwiegend sonntags statt. Bei großem Andrang markieren die Piloten mit einer Reihe ihrer Helme, in welcher Reihenfolge sie starten.
Fliegerlager, Ausflüge und Vereinsleben
Neben dem Flugbetrieb veranstaltet der Verein fünfmal im Jahr mehrtägige Fliegerlager auf seinem Gelände. Die Mitglieder kommen dafür mit Campingfahrzeugen zusammen. Auf dem Gelände steht sogar eine Sauna zur Verfügung.
Hinzu kommen gemeinsame Flugreisen und Ausflüge unter anderem in die Vogesen oder in die Alpen. Auch eine Wanderung zum Abschluss des Jahres gehört zum Vereinsprogramm.
Ausbildung ist ab 14 Jahren möglich
Wer das Gleitschirmfliegen ausprobieren möchte, kann zunächst einen Schnupperkurs bei einer Flugschule belegen. Dort lernen Interessierte die Ausrüstung kennen, ziehen den Schirm erstmals über sich auf und können möglicherweise bereits ein kurzes Stück fliegen.
Die vollständige Ausbildung kostet nach Angaben Sperlings je nach Flugschule ungefähr 1.500 bis 2.500 Euro. Bei passenden Wetterbedingungen könne sie innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen werden, häufig verteile sie sich jedoch über zwei oder drei Monate.
Mit der Ausbildung kann ab einem Alter von 14 Jahren begonnen werden. Bis zum 16. Geburtstag dürfen die Jugendlichen unter Aufsicht eines Fluglehrers fliegen. Die Lizenz kann anschließend mit 16 Jahren erworben werden.
Ausrüstung kostet mehrere Tausend Euro
Während der Ausbildung stellen die Flugschulen in der Regel eine Leihausrüstung bereit. Wer dauerhaft fliegen möchte, benötigt später eine eigene Ausstattung. Gebrauchte Ausrüstungen kosten nach Angaben Sperlings häufig rund 3.000 Euro, neue etwa 5.000 Euro.
Der Jahresbeitrag im Drachen- und Gleitsegelclub Nahetal liegt bei ungefähr 60 Euro. Hinzu kommen drei Euro pro Schleppvorgang. Nach 30 Starts fallen für die weiteren Schlepps keine zusätzlichen Gebühren mehr an.
Mitgliedsanträge und Kontaktdaten finden Interessierte auf der Internetseite des Vereins unter dgcn.de. Dort können sich auch Menschen melden, die dem Club einen geeigneten Unterstellplatz mit Stromanschluss anbieten können.



