Die KoA-Klasse an der Realschule plus Bingen geht neue Wege. Statt klassischem Frontalunterricht stehen Eigenverantwortung und individuelle Förderung im Mittelpunkt. Lehrer Clemens Wandke begleitet Jugendliche, die ihren Berufsreifeabschluss zunächst nicht geschafft haben. Sein Konzept sorgt inzwischen weit über Rheinland-Pfalz hinaus für Aufmerksamkeit.
Schule mit mehr Verantwortung
KoA steht für „Keiner ohne Abschluss“. Das Landesprogramm richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die nach der neunten Klasse ihren Berufsreifeabschluss nachholen möchten. Gleichzeitig absolvieren sie an zwei Tagen pro Woche ein Praktikum und sammeln wertvolle Erfahrungen in Betrieben.
Clemens Wandke unterrichtet die Klasse an der Realschule plus am Scharlachberg in Bingen. Er stellte jedoch schnell fest, dass eine einfache Wiederholung des bisherigen Unterrichts nicht den gewünschten Erfolg brachte. Deshalb entwickelte er sein eigenes Lernkonzept weiter.
Heute arbeiten die Jugendlichen deutlich selbstständiger. Nach kurzen Lerneinheiten entscheiden sie selbst, welches Fach sie bearbeiten. Der Lehrer begleitet sie als Lerncoach und unterstützt gezielt dort, wo Hilfe nötig ist. Digitale Lernplattformen, individuelle Lernziele und flexible Leistungsnachweise gehören ebenso zum Konzept.
Leistungsnachweise statt starrer Klassenarbeiten
Ein besonderer Unterschied liegt bei den Leistungsnachweisen. Die Schülerinnen und Schüler schreiben diese innerhalb festgelegter Zeiträume. Sie entscheiden selbst, wann sie sich bereit fühlen. Vorher können sie Probeaufgaben bearbeiten und erhalten direkt Rückmeldungen. So erkennen sie frühzeitig, wo noch Übungsbedarf besteht.
Das Niveau bleibt dabei unverändert. Der Berufsreifeabschluss entspricht dem regulären Abschluss in Rheinland-Pfalz. Geschenkt wird den Jugendlichen nichts. Vielmehr sollen sie durch mehr Eigenverantwortung sicherer lernen und erfolgreicher werden.
Interesse aus ganz Deutschland
Die Erfolge sprechen sich inzwischen herum. Lehrkräfte und Schulleitungen aus Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern besuchen regelmäßig die Binger Schule, um das Konzept kennenzulernen. Wandke öffnet seine Klassenzimmertür bewusst für Hospitationen. Er ist überzeugt, dass Schulen neue Wege gehen müssen, um junge Menschen besser zu fördern.
Auch die Realschule plus am Scharlachberg setzt bereits an mehreren Stellen auf moderne Konzepte. Dazu gehören ein späterer Unterrichtsbeginn um 8.30 Uhr, Doppelstunden, digitale Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler sowie eine starke Förderung im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“.
Für Clemens Wandke steht dabei immer ein Gedanke im Mittelpunkt: Gute Bildung gelingt vor allem durch Vertrauen, individuelle Begleitung und eine starke Beziehung zwischen Lehrkraft und Schülern.


