Wenn ein Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird, stehen Familien häufig vor zahlreichen Fragen: Welche Unterstützung gibt es? Wer organisiert die Versorgung? An wen können sich Angehörige wenden, wenn sie mit der Situation überfordert sind? Die Pflegeberaterin Irini Langensiepen aus Hüffelsheim unterstützt Betroffene bei genau diesen Herausforderungen. Im Radio-Talk „Nahe Dran“ hat sie ihre Arbeit, den von ihr entwickelten Pflege-Notfall-Kompass und weitere Beratungsangebote vorgestellt.
Irini Langensiepen hilft Familien in schwierigen Situationen
Sie ist seit fast 30 Jahren in verschiedenen Bereichen der Pflege tätig. Sie kam vor 41 Jahren aus Griechenland nach Deutschland und lebte zunächst mehrere Jahre im Ruhrgebiet, bevor sie nach Rheinland-Pfalz zog. Die Entscheidung für den Pflegeberuf traf sie auch aus wirtschaftlichen Gründen: Sie suchte einen Beruf mit langfristiger Sicherheit.
Beratung rund um Pflege, Demenz und Vorsorge
Heute berät und begleitet Irini Langensiepen Familien, Angehörige und Menschen mit Unterstützungsbedarf. Zu ihren Schwerpunkten gehören Pflegebedürftigkeit, Demenz, Vorsorge und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Dabei geht es auch um wichtige Dokumente wie Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und Betreuungsverfügungen. Diese können helfen, die eigene Handlungsfähigkeit zu erhalten und Entscheidungen für den Fall vorzubereiten, dass jemand selbst nicht mehr dazu in der Lage ist.
Die Pflegeexpertin empfiehlt, sich möglichst früh mit diesen Themen zu beschäftigen. Unterstützung und Beratung seien nicht erst dann sinnvoll, wenn bereits eine akute Pflegesituation entstanden ist. Auch Fragen zum selbstständigen Leben im Alter könnten frühzeitig geklärt werden. Dazu gehöre beispielsweise, wie sich der Alltag gestalten lässt, wenn das Autofahren oder das Gehen zunehmend schwerfällt oder wichtige Infrastruktur am Wohnort fehlt.
Kostenlose Anlaufstellen in Rheinland-Pfalz
Eine wichtige erste Anlaufstelle für Menschen, die Beratung in Sachen Pflege suchen, sind die Pflegestützpunkte. In Rheinland-Pfalz gibt es mehr als 130 dieser Beratungsstellen. Sie bieten kostenlose Unterstützung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Die Mitarbeiter beraten unter anderem bei der Beantragung eines Pflegegrades, bei Höherstufungsanträgen und bei der Frage, welche Hilfsmittel nach einem Krankenhausaufenthalt benötigt werden. Beratungen können nach Terminvereinbarung auch zu Hause stattfinden. Auch bei Fragen zu Leistungen und Unterstützungsmöglichkeiten können sich Betroffene an einen Pflegestützpunkt wenden.
Irini Langensiepen sieht eine große Herausforderung darin, dass viele Menschen diese kostenlosen Beratungsangebote gar nicht kennen. Außerdem seien zahlreiche Fachleute, Einrichtungen und Dienste zwar vorhanden, arbeiteten aber häufig nebeneinanderher. Für Angehörige sei es deshalb oft schwierig, sich im komplexen Pflege- und Gesundheitssystem zurechtzufinden und die nächsten Schritte zu planen.
L.I.S.A. Pflege-Notfall-Kompass
Aus ihren Erfahrungen entwickelte Irini Langensiepen den L.I.S.A. Pflege-Notfall-Kompass. Hintergrund waren unter anderem Anrufe von Angehörigen am Abend oder am Wochenende, wenn reguläre Beratungsstellen nicht mehr erreichbar waren und kurzfristig eine Versorgung organisiert werden musste.
Der Pflege-Notfall-Kompass richtet sich an Situationen, in denen plötzlich ein pflegerischer Unterstützungsbedarf entsteht. Dabei unterscheidet sie ausdrücklich zwischen einem pflegerischen Notfall und einem medizinischen Notfall. Bei akuten medizinischen Notfällen bleibt der reguläre Notruf der richtige Weg. Der Pflege-Notfall-Kompass soll dagegen helfen, die Betreuung und Versorgung in schwierigen Situationen zu koordinieren.
Ein Beispiel aus ihrer Arbeit zeigt, wie umfangreich diese Unterstützung sein kann: Eine Frau musste wegen ihres schlechten Gesundheitszustands ins Krankenhaus, sorgte sich aber gleichzeitig um ihren schwer an Demenz erkrankten Mann. Irini Langensiepen verschaffte sich einen Überblick, half bei der Vorbereitung des Krankenhausaufenthalts und organisierte innerhalb kürzester Zeit einen Kurzzeitpflegeplatz für den Ehemann. Außerdem kümmerte sie sich um medizinische Unterlagen und die notwendigen Absprachen mit Ärzten und Pflegeeinrichtung. So konnte die Versorgung beider Menschen sichergestellt werden.
Langfristige Begleitung und Koordination
Während Pflegestützpunkte und Pflegekassen wichtige kostenlose Beratungsangebote bereitstellen, liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf einer besonders engmaschigen Begleitung über mehrere Wochen oder sogar Monate. Sie koordiniert die beteiligten Personen und Einrichtungen, behält die einzelnen Schritte im Blick und versucht, eine passende Versorgung für die betroffene Person und ihre Angehörigen sicherzustellen.
Pflegedialog bietet Angehörigen Austausch
Ein weiteres Angebot ist der Pflegedialog, den Irini Langensiepen gemeinsam mit Matthias Frech vom Betreuungsdienst Home Instead ins Leben gerufen hat. Die kostenlose Plattform soll pflegenden Angehörigen die Möglichkeit geben, sich einmal im Monat am Abend auszutauschen und Fragen zu klären. Die Treffen werden dabei fachlich begleitet.
Auch Arbeitgeber sind gefragt
Die Pflegeexpertin unterstützt zudem Unternehmen, die sich mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege beschäftigen möchten. Sie verweist darauf, dass immer mehr Beschäftigte neben ihrer Arbeit Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige übernehmen. Arbeitgeber können sich an sie wenden, wenn sie das Thema strategisch im Unternehmen verankern möchten. Dazu bietet sie unter anderem Vorträge für Beschäftigte und Führungskräfte an.



