Rund 200 Einsatzkräfte mit mehr als 40 Fahrzeugen haben auf der ehemaligen Raketenbasis Pydna bei Kastellaun die Bekämpfung eines großflächigen Waldbrandes geübt. Beteiligt waren Feuerwehren und Katastrophenschutzeinheiten aus den Landkreisen Bad Kreuznach, Birkenfeld und dem Rhein-Hunsrück-Kreis. Die Übung sollte einen länger andauernden überörtlichen Einsatz möglichst realistisch abbilden. Die eingesetzten Einheiten waren darauf vorbereitet, sich bis zu 72 Stunden selbst mit Lebensmitteln, Schlafplätzen und weiterer Ausrüstung zu versorgen.
Einsatzauftrag kam mehrere Tage zuvor
Der nachgestellte Einsatz begann bereits am Mittwoch mit einem Auftrag des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz. Anschließend wurden die beteiligten Wehrleitungen informiert. Diese gaben den Auftrag und die notwendigen Informationen an ihre Einheiten weiter. Bis Mittwochabend wussten damit alle beteiligten Kräfte, dass sie am Samstag zu einem überörtlichen Waldbrandeinsatz ausrücken sollten. Auch diese Vorlaufzeit war Teil der Übung. Bei einem realen Großbrand würden die örtlichen Feuerwehren zunächst versuchen, die Flammen unter Kontrolle zu halten, bis zusätzliche Einheiten aus anderen Landkreisen eintreffen.


Vorauskommando erkundete die Lage
Vor dem Eintreffen der Hauptkräfte wurde ein Vorauskommando zur Pydna geschickt. Dieses erreichte das Übungsgelände etwa eine bis anderthalb Stunden früher, erkundete die Lage und stellte den nachrückenden Verbänden erste Informationen zur Verfügung. Die Einsatzfahrzeuge fuhren anschließend in zwei geschlossenen Verbänden von Birkenfeld nach Kastellaun. Der erste Verband traf gegen 10.30 Uhr ein, der zweite etwa eine Stunde später. Beide lagen damit innerhalb des geplanten Zeitfensters. Übungsleiter Stefan Bohnenberger erklärte, dass auch das Fahren eines größeren motorisierten Verbandes trainiert werden müsse. Solche Abläufe gehörten für viele Katastrophenschutzeinheiten nicht mehr zum alltäglichen Handwerk.
Waldbrand bedrohte mehrere Gebäude
Im angenommenen Szenario bewegte sich ein großer Waldbrand auf einen Gebäudekomplex zu. Die Berechnungen sahen vor, dass die Flammen den betroffenen Bereich gegen 19 Uhr erreichen würden. Die Einsatzkräfte sollten mehrere Gebäude vor dem herannahenden Feuer schützen. Eines der Gebäude galt im Übungsverlauf bereits als nicht mehr zu halten und musste aufgegeben werden. Der Schwerpunkt lag deshalb auf der Verteidigung der drei verbliebenen Gebäude und dem Aufbau einer zusätzlichen Sicherungsschneise.


Schneisen, Motorsägen und großflächige Bewässerung
Ein spezialisiertes Waldbrandmodul legte mit Motorsägen Schutzschneisen und Freiräume rund um die Gebäude an. Dadurch sollte verhindert werden, dass die Flammen über Vegetation und brennbares Material unmittelbar auf die Häuser übergreifen. Im nächsten Schritt sollte das Umfeld der Gebäude mit Kreisregnern großflächig bewässert werden. Das benötigte Löschwasser wurde mit Transportfahrzeugen aus einem rund acht Kilometer entfernten Hochbehälter zur Pydna gebracht. Auf der gegenüberliegenden Seite des Geländes entstand eine weitere Sicherungsschneise. Mit dieser taktischen Maßnahme sollte der angenommene Waldbrand in eine bestimmte Richtung gelenkt und schließlich gestoppt werden.
520 Menschen im Szenario evakuiert
Auch die Evakuierung der Bevölkerung war Teil der angenommenen Lage. Im Übungsszenario waren 520 Menschen bereits am Morgen aus dem bedrohten Bereich gebracht worden. Sie galten als in der Großsporthalle in Kastellaun untergebracht. Auf dem eigentlichen Übungsgelände befanden sich damit keine Bewohner mehr. Die Einsatzkräfte konnten sich auf den Schutz der Gebäude und die Eindämmung des Waldbrandes konzentrieren.
Einheiten können 72 Stunden selbstständig arbeiten
Die überörtliche Bereitschaft war für einen Einsatz von mehr als 24 Stunden ausgelegt. Mit dem mitgeführten Material, Lebensmitteln, Betten und weiterer Versorgung könnten die Kräfte nach Angaben Bohnenbergers bis zu 72 Stunden autark arbeiten. Dadurch wird die örtliche Einsatzleitung entlastet. Sie muss für die nachrückenden Einheiten weder Unterkünfte noch Verpflegung organisieren und kann sich vollständig auf die Bekämpfung des Schadensereignisses konzentrieren.



Vorgeplante Zusammenarbeit der Landkreise
Grundlage der Übung war ein Alarm- und Einsatzplan für die vorgeplante überörtliche Hilfe. Darin sind die einzelnen Schritte von der Alarmierung über die Anfahrt bis zur Versorgung und Führung der Einheiten festgelegt. Die Großübung sollte zeigen, ob diese Planung auch unter realitätsnahen Bedingungen funktioniert. Während des Einsatzes fanden Lagebesprechungen statt, sobald die wesentlichen Maßnahmen angelaufen waren. Nach dem bisherigen Verlauf zeigte sich Übungsleiter Stefan Bohnenberger zufrieden. Die Alarmierung, die Anfahrt der Verbände und die ersten Arbeiten auf dem Gelände seien innerhalb der vorgesehenen Zeitfenster erfolgt.



