Bäderhaus-Aus: Was wird nun aus der Millionen-Immobilie?

Geschrieben von Lena Winterfeld

BAD KREUZNACH. Spätestens am 30. Juni 2027 endet der Betrieb im Bäderhaus. Damit ist die politische Entscheidung gefallen. Was danach mit einem der markantesten Gebäude im Bad Kreuznacher Kurgebiet passiert, ist dagegen noch völlig offen. Die Stadt will einen Investor finden – aber nicht um jeden Preis. Statt eines einfachen Verkaufs soll ein Konzeptverfahren darüber entscheiden, welche Zukunft das Bäderhaus bekommt.

Dabei geht es um eine Immobilie, in die über Jahrzehnte erhebliche Summen geflossen sind. Das historische Bäderhaus wurde 1911 nach Plänen des Münchner Architekten Emanuel von Seidl errichtet und im selben Jahr eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt und bis 1951 wieder aufgebaut. Heute blickt das Haus damit auf eine mehr als 115-jährige Geschichte zurück. Nach den Unterlagen für den Stadtrat kaufte die BAD das Gebäude 1998 für rund eine Million Euro von der Rheuma-Heilbad AG. Anschließend investierte die Gesellschaft rund zehn Millionen Euro. Zum 31. Dezember 2025 stand das Bäderhaus noch mit einem Restbuchwert von 4,834 Millionen Euro in den Büchern.

Kein gewöhnlicher Immobilienverkauf

Der Stadtrat hat deshalb nicht einfach den Verkauf des Bäderhauses beschlossen. Die Formulierung lautet ausdrücklich: „Verwertung der Immobilie Bäderhaus im Rahmen eines konzeptgebundenen Markterkundungsverfahrens.“ Das bedeutet: Nicht allein der gebotene Kaufpreis soll darüber entscheiden, wer beim Bäderhaus zum Zuge kommt. Die Stadt will sich auch anschauen, was ein Interessent mit dem Gebäude vorhat.

Die Arbeitsgruppe zur Neustrukturierung der städtischen Gesellschaften formulierte das Ziel bereits deutlich. Für das Bäderhaus und die betroffenen Liegenschaften soll eine Lösung entstehen, die wirtschaftlich tragfähig ist und gleichzeitig zu den städtebaulichen und strukturellen Zielen der Stadt passt. Damit bekommt Bad Kreuznach zumindest die Möglichkeit, Einfluss auf die künftige Nutzung des prominenten Standortes im Kurgebiet zu nehmen.

Was könnte aus dem Bäderhaus werden?

Eine fertige Antwort darauf gibt es bislang nicht. Einen beschlossenen Nachnutzer, einen Investor oder ein konkretes Nutzungskonzept präsentierte die Stadt in der Sitzung nicht.

Architektonische Lösungen innerhalb des bestehenden Gebäudes wurden angesprochen. So fiel der Begriff einer „Haus-in-Haus-Bebauung“. Dabei würden neue bauliche Strukturen innerhalb der bestehenden Gebäudehülle entstehen.

In der langen Stadtratsdebatte kamen allerdings erste Überlegungen auf den Tisch. Ein Stadtratsmitglied verwies auf andere Städte, in denen ehemalige Bäderhäuser neue Nutzungen erhalten hätten. Genannt wurden unter anderem Bad Kissingen und Leipzig. Diese beiden Beispiele zeigen allerdings alles andere als einen reibungslosen Übergang in ein neues Konzept.

Bad Kissingen: Aus dem Badehaus wurde ein Behördenzentrum

Was eine solche Umnutzung bedeuten kann, zeigt Bad Kissingen. Dort steht mit dem Luitpoldbad ebenfalls ein historisches und denkmalgeschütztes ehemaliges Badehaus. Anfang des 20. Jahrhunderts galt es sogar als größtes Badehaus Europas.

Nach der Schließung Ende der 1970er-Jahre stand ein großer Teil des Komplexes jahrzehntelang leer. Auch Überlegungen, einen privaten Investor zu finden, führten zunächst nicht zum Ziel. Schließlich entschieden sich der Freistaat Bayern und die Stadt für einen anderen Weg. Von 2013 bis 2017 wurde das Luitpoldbad umfassend saniert und zum Behördenzentrum umgebaut. Teile des Gebäudekomplexes werden zudem von der Spielbank genutzt. Der neu gestaltete Innenhof dient als Veranstaltungsort. Die historische Substanz blieb dabei erhalten. Für die Sanierung und behutsame Umnutzung erhielt das Gebäude 2018 sogar den Bayerischen Denkmalpreis.

Auch ein zweites ehemaliges Badehaus in Bad Kissingen bekam eine neue Aufgabe: Das 1927 errichtete Kurhausbad wurde umfangreich saniert und 2023 als „Haus für Gesundheitsmanagement“ wiedereröffnet. Dort befinden sich heute unter anderem Büros und Labore des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Leipzig zeigt aber auch, wie schwierig es werden kann

Das Leipziger Stadtbad liefert dagegen ein Beispiel dafür, dass eine neue Zukunft für ein historisches Bad sehr lange auf sich warten lassen kann. Das 1916 eröffnete Stadtbad wurde 2004 wegen seines schlechten baulichen Zustandes geschlossen. Mehr als zwei Jahrzehnte später gibt es noch immer keine dauerhafte neue Hauptnutzung.

Eine Förderstiftung kümmert sich seit Jahren um den Erhalt und die Wiederbelebung des denkmalgeschützten Gebäudes. Das Stadtbad dient heute unter anderem als Eventlocation. Dort finden Veranstaltungen und Dinnershows statt, außerdem werden Führungen angeboten. Eine vollständige Sanierung und dauerhafte neue Nutzung steht aber bisher weiterhin aus. Die Förderstiftung verfolgt nach wie vor das Ziel, das Gebäude langfristig wieder stärker öffentlich zugänglich zu machen und eine tragfähige Nutzung zu entwickeln.

Gerade dieses Beispiel dürfte für Bad Kreuznach mindestens ebenso interessant sein wie das erfolgreich umgenutzte Luitpoldbad: Ein außergewöhnliches historisches Gebäude allein garantiert noch keinen Investor und kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept.

Denkmalschutz macht die Aufgabe anspruchsvoller

Ein Investor bekommt allerdings keine beliebig veränderbare Immobilie. Das historische Bäderhaus prägt das Kurgebiet und stellt damit besondere Anforderungen an eine neue Nutzung.

Auch dieser Punkt spielte in der Stadtratsdebatte eine Rolle. Dort wurde darauf hingewiesen, dass Lösungen innerhalb des Gebäudes trotz denkmalpflegerischer Anforderungen möglich sein könnten. Gleichzeitig können Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Denkmalschutz unter bestimmten Voraussetzungen förderfähig sein.

Wie weit ein künftiger Investor tatsächlich umbauen darf und welche Nutzung genehmigungsfähig wäre, steht damit noch nicht fest. Genau solche Fragen dürften Teil eines späteren Konzeptes werden.

Ein Verkauf soll auch finanziell helfen

Für die Stadt und ihre Gesellschaften geht es bei der Nachnutzung nicht nur um Stadtentwicklung. Die Arbeitsgruppe erwartet von einem Verkauf auch eine finanzielle Entlastung. Ein Verkauf des Bäderhauses könne zu einer deutlichen Reduzierung der Darlehensverbindlichkeiten beitragen.

Dabei ist wichtig: Nicht allein das Bäderhaus belastet die BAD finanziell. Auch das Salinenbad und die Crucenia Thermen arbeiten defizitär. Nach den im Stadtrat vorgelegten Zahlen verursachen die drei Einrichtungen zusammen Verluste in Millionenhöhe. Die politische Entscheidung fiel deshalb nicht zwischen einem defizitären Bäderhaus und zwei wirtschaftlich erfolgreichen Einrichtungen. Vielmehr musste der Stadtrat entscheiden, welche Angebote Bad Kreuznach trotz der angespannten finanziellen Situation dauerhaft erhalten will.

Beim Salinenbad steht dabei die öffentliche Daseinsvorsorge im Vordergrund. Es wird unter anderem für Schulen, Vereine und den allgemeinen Badebetrieb benötigt. Die Crucenia Thermen wiederum spielen mit der Kreuznacher Sole eine zentrale Rolle für Kur und Gesundheitsstandort. Sie sollen deshalb nicht nur erhalten, sondern perspektivisch aufgewertet werden.

Das Bäderhaus bewertete die Arbeitsgruppe anders. Die Sauna- und Wellnessanlage gilt als freiwillige kommunale Leistung und touristisches Angebot. Hinzu kommt, dass notwendige Investitionen dort nach Darstellung in der Stadtratsdebatte nicht in gleicher Weise förderfähig sind.

Doch findet Bad Kreuznach überhaupt einen Investor?

Genau an diesem Punkt zeigte die Stadtratsdebatte auch erhebliche Zweifel. Hermann Bläsius von DIE GRÜNEN warnte davor, dass nach einer Schließung zunächst eine „Ruine“ entstehen könnte. Er bezweifelte, dass sich die Immobilie problemlos vermarkten lässt, und erinnerte an frühere Versuche, für das Bäderhaus eine Lösung zu finden.

Damit steht eine entscheidende Frage im Raum: Wie groß ist das tatsächliche Interesse privater Investoren an einem historischen und baulich anspruchsvollen Gebäude dieser Größenordnung? Die Stadt setzt darauf, dass gerade das Konzeptverfahren neue Ideen hervorbringt. In der Sitzung äußerten Ratsmitglieder die Hoffnung, Architekten und Investoren könnten Lösungen entwickeln, an die bisher noch niemand gedacht hat.

Ob das gelingt, muss der Markt zeigen.

Bis Mitte 2027 läuft der Betrieb weiter

Vorerst ändert sich für die Besucher noch nichts Grundsätzliches. Nach dem Stadtratsbeschluss muss das Bäderhaus spätestens zum 30. Juni 2027 schließen. Grundsätzlich wäre eine Schließung bereits ab dem 31. März 2027 möglich.

Die BAD braucht die Zeit bis dahin unter anderem für technische Veränderungen. Die vorhandenen Blockheizkraftwerke an der Crucenia Therme müssen umgebaut werden. Außerdem müssen steuerliche Fragen zum Verbleib der Therme im steuerlichen Querverbund geklärt werden. Auch für die Beschäftigten gibt es zumindest eine Perspektive. Nach der derzeitigen Einschätzung soll es gelingen, das vorhandene Personal in die bestehende Struktur der Gesellschaft einzugliedern.

Nach dem Schließungsbeschluss beginnt die schwierigere Aufgabe

Der Stadtrat hat mit seinem Beschluss zunächst versucht, die finanzielle Belastung der BAD dauerhaft zu reduzieren. Damit ist aber nur entschieden, dass der bisherige Betrieb des Bäderhauses endet.

Was an dieser Stelle anschließend entsteht, kann das Kurgebiet über Jahrzehnte prägen. Die Stadt muss deshalb zwei Ziele miteinander verbinden: Sie braucht eine wirtschaftlich vernünftige Lösung für eine Immobilie mit erheblichem Wert und will gleichzeitig verhindern, dass ein für Bad Kreuznach bedeutender Standort irgendeiner Nutzung überlassen wird.

Bad Kissingen zeigt, dass aus einem historischen Badehaus nach jahrelangem Leerstand eine völlig neue und erfolgreiche Nutzung entstehen kann. Leipzig zeigt die andere Seite: Selbst nach mehr als 20 Jahren kann die Suche nach einer dauerhaften Lösung noch nicht abgeschlossen sein.

Noch gibt es in Bad Kreuznach weder einen Käufer noch ein fertiges Konzept. Zwischen einem gelungenen Neustart und einem jahrelangen Leerstand liegen deshalb derzeit viele Möglichkeiten. Spätestens mit dem Start des Markterkundungsverfahrens wird sich zeigen, ob Investoren im Bäderhaus vor allem ein schwieriges historisches Gebäude sehen – oder eine Chance mitten im Bad Kreuznacher Kurgebiet.

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