Bad Kreuznach: Bäderhaus muss spätestens Juni 2027 schließen

Geschrieben von Lena Winterfeld

Der Finanzausschuss von Bad Kreuznach hat die Schließung des Bäderhauses spätestens zum 30. Juni 2027 empfohlen. Ausschlaggebend sind laut der Geschäftsführung der städtischen Bädergesellschaft anhaltende Millionenverluste, während Salinenbad und Crucenia-Therme dauerhaft erhalten und weiterentwickelt werden sollen.

Was bisher bekannt ist:

  • Der Finanzausschuss empfiehlt die Schließung des Bäderhauses spätestens zum 30. Juni 2027 – früher als der ursprüngliche Vorschlag (31. Dezember 2027).
  • Der Verlust der Bädergesellschaft lag 2025 bei rund vier Millionen Euro. Das Bäderhaus allein verursacht davon jährlich rund eine Million Euro.
  • Für die kommenden fünf Jahre wären am Bäderhaus Investitionen von rund 2,5 Millionen Euro nötig gewesen.
  • Salinenbad und Crucenia-Therme sollen laut Beschlussvorlage dauerhaft erhalten und die Therme gezielt weiterentwickelt werden.
  • Die neun Vollzeitbeschäftigten sollen ohne Kündigungen in andere städtische Einrichtungen übernommen werden.
  • Für die Immobilie ist ein konzeptgebundenes Markterkundungsverfahren vorgesehen.
  • Endgültig entscheiden muss der Stadtrat, laut Beschlussvorlage am 27. August 2026.

Vier Millionen Euro Verlust und keine Perspektive für das Bäderhaus

Die Zahlen bildeten die Grundlage der Empfehlung. Nach Angaben de Bädergesellschaft lag der Verlust der Badgesellschaft im Jahr 2025 bei rund vier Millionen Euro. Ab 2027 stehe für den Weiterbetrieb aller drei Bäder keine ausreichende Liquidität mehr zur Verfügung. Allein das Bäderhaus schlägt mit einem Jahresverlust von rund einer Million Euro zu Buche. Hinzu kommen laut Vorlage in den kommenden fünf Jahren Investitions- und Unterhaltungskosten von etwa 2,5 Millionen Euro – bedingt auch durch das Alter der im Jahr 2000 eröffneten Anlage. Laut der städtischen Erläuterung zur Beschlussvorlage würde sich das Jahresergebnis der Gesellschaft langfristig deutlich verbessern, sollte das Bäderhaus geschlossen werden. Einmalige bilanzielle Belastungen im Jahr der Schließung würden die Liquidität demnach nicht unmittelbar beeinträchtigen.

Pro und Contra der Schließung

In der Debatte des Finanzausschusses standen sich mehrere Argumente gegenüber. Für die Schließung sprach aus Sicht der Befürworter vor allem die Zahlenlage. Ohne den Schritt drohe der gesamten Bädergesellschaft die Zahlungsunfähigkeit, während Salinenbad und Crucenia-Therme (letztere mit der ortstypischen Kreuznacher Sohle für die Kur genutzt) als unverzichtbar gelten. Zudem verwiesen mehrere Ausschussmitglieder darauf, dass kommunal betriebene Saunaangebote nach Auskunft der zuständigen Ministerien grundsätzlich nicht förderfähig seien. Für Bäder- und Thermenangebote wie die Crucenia-Therme kommen durchaus Zuschüsse infrage. Auch eine Befragung der ansässigen Hotellerie ergab laut Geschäftsführung, dass das Bäderhaus für den Tourismusstandort als verzichtbar eingeschätzt wird. Die Crucenia-Therme gilt indes für mehrere Hotels als wichtig.

Gegen die Schließung führten einzelne Ausschussmitglieder die touristische und stadtbildprägende Bedeutung des Hauses an. Die Bezeichnung des Bäderhauses als bloßes “nice to have” wurde von mehreren Rednern zurückgewiesen, da sie die jahrelangen Anstrengungen zum Erhalt der Einrichtung herabwürdige und die Wertschöpfungskette für umliegende Hotels und Gäste unterschätze. Zudem wurde die zentrale, citynahe Lage des Gebäudes als Risiko benannt. Sollte sich kein Nachnutzer finden, drohe eine dauerhafte Ruine mitten in der Stadt. Trotz dieser Bedenken sprach sich die fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe “Neustrukturierung städtische Gesellschaften” nach eigenen Angaben einstimmig für die Empfehlung aus.

Für das Personal des Bäderhauses (neun Vollzeitstellen) sieht die Geschäftsführung keine Notwendigkeit für Entlassungen. Die Beschäftigten sollen in die übrigen Bädereinrichtungen oder andere städtische Gesellschaften übernommen werden.

Was mit den erhöhten Parkgebühren geschieht, ist offen

Im Vorfeld hatte der Stadtrat höhere Parkgebühren beschlossen, die zusätzliche Einnahmen für die Bädergesellschaft erbringen und so auch den Erhalt des Bäderhauses absichern sollten. Im Finanzausschuss wurde dazu die Frage aufgeworfen, ob mit der jetzt empfohlenen Schließung wieder das frühere Parkgebühren-Niveau gelten solle. Nach den vorliegenden Wortmeldungen erklärte die Geschäftsführung lediglich, dass die Parkgebühren-Erhöhung als Instrument zur Liquiditätssicherung nicht den erhofften Effekt gebracht habe und die Einnahmen eher zurückgingen als stiegen. Von einem Einnahmeausfall in Höhe von rund 700.000 Euro war die Rede. Eine konkrete Aussage, ob die höheren Parkgebühren nach einer Schließung des Bäderhauses zurückgenommen werden, wurde in der Sitzung nicht getroffen. Diese Frage dürfte damit Thema der weiteren politischen Beratungen bleiben.

Markterkundungsverfahren und Stadtratsbeschluss stehen aus

Für die Immobilie des Bäderhauses soll nach der Schließung ein konzeptgebundenes Markterkundungsverfahren durchgeführt werden, um eine wirtschaftlich tragfähige und städtebaulich passende Nachnutzung zu finden. Der endgültige Beschluss liegt beim Stadtrat, der die Empfehlung des Finanzausschusses nach Angaben der Beschlussvorlage am 27. August 2026 behandeln soll.

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