Nahe Dran: Integrationshelden im Rampenlicht

Geschrieben von Thorsten Subat

Menschen mit positiven Migrationsgeschichten eine Plattform geben und ihre persönlichen Erfahrungen sichtbar machen: Das ist das Ziel des Projekts „Integrationshelden im Rampenlicht“ von Aktiv e.V. aus Bad Kreuznach. Im Mittelpunkt stehen keine Prominenten, sondern Menschen aus dem Alltag, die in der Region angekommen sind.

Das Projekt entstand aus der Beobachtung, dass in der Öffentlichkeit häufig vor allem negative Beispiele im Zusammenhang mit Migration vorkommen. Die Verantwortlichen möchten stattdessen zeigen, wie oft Integration im Landkreis Bad Kreuznach bereits gelungen ist.

Integration ist keine Einbahnstraße

Für Projekt-Teammitglied Thorsten Heyer lässt sich Integration nur schwer anhand von Zahlen, Paragrafen oder einer bestimmten Aufenthaltsdauer beschreiben. Entscheidend sei vielmehr das Gefühl, in einer Gesellschaft angekommen zu sein und sich dort auch angekommen zu fühlen.

Dazu müssten beide Seiten beitragen. Die Zugewanderten bringen nach seinen Worten zahlreiche Fähigkeiten und Erfahrungen mit, von denen die gesamte Gesellschaft profitieren könne.

Das Projekt möchte deshalb einerseits Vorurteile abbauen und Menschen für das Thema sensibilisieren. Andererseits sollen Neuankömmlinge von den Erfahrungen derjenigen profitieren, die vor ähnlichen Herausforderungen standen.

Justyna Pilarczyk engagiert sich nach zweieinhalb Jahren selbst

Eine der Integrationsheldinnen ist Justyna Pilarczyk. Sie kam vor zweieinhalb Jahren aus Polen nach Deutschland und verfügte damals lediglich über Grundkenntnisse aus einem A1-Sprachkurs.

Inzwischen engagiert sie sich ehrenamtlich bei „Integrationshelden im Rampenlicht“ und arbeitet unter anderem mit Menschen und sozialen Medien. Der Einstieg in das Projekt bot ihr die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Auch anderen Zugewanderten rät Pilarczyk, nach draußen zu gehen und den Kontakt zu Menschen zu suchen. Gerade am Anfang sei dieser Schritt schwierig. Vereine und ehrenamtliches Engagement könnten jedoch dabei helfen, neue Menschen kennenzulernen und die Sprache im Alltag zu üben.

Podcast erzählt von Erfahrungen, Hürden und Zukunftsplänen

„Integrationshelden im Rampenlicht“ besteht aus drei Säulen: einem Podcast, sogenannten Kamingesprächen und einem abschließenden Buch, in dem die einzelnen Schritte des Projekts zusammengefasst werden sollen.

Für den Podcast wurden bereits 20 Gespräche aufgenommen. Darin berichten die Gäste von ihren Anfängen in Deutschland, persönlichen Erfahrungen und Herausforderungen. Auch ihre Träume und Pläne für die Zukunft spielen eine Rolle.

Vor jeder Aufnahme führt das Projektteam ein Vorbereitungsgespräch. Die eigentlichen Fragen werden den Gästen jedoch möglichst nicht vorab mitgeteilt, damit die Gespräche spontan und ehrlich bleiben.

Zu Gast sind nicht ausschließlich Menschen mit einer eigenen Migrationsgeschichte. Eingeladen werden auch Personen, die sich beruflich oder ehrenamtlich mit Integration beschäftigen. Der Podcast ist über die Internetseite des Projekts sowie über die gängigen Podcastplattformen abrufbar.

Kamingespräche schaffen Raum für offene Fragen

Bei den Kamingesprächen kommen Interessierte in einer kleinen Runde zu jeweils einem Schwerpunktthema zusammen. Integrationshelden sowie Fachleute beantworten dabei auch Fragen, die bei einer klassischen Informationsveranstaltung möglicherweise nicht gestellt würden.

Ein bisheriges Gespräch beschäftigte sich beispielsweise mit der Arbeit im Gesundheitswesen. Dabei ging es unter anderem um Diskriminierung im Beruf und die Vereinbarkeit von Arbeit und Religion.

Die öffentlichen Veranstaltungen stehen allen Interessierten offen und sind kostenlos. Besonders Neuzugewanderte sollen dort Anregungen erhalten und ihre eigenen Erfahrungen austauschen können. Die Treffen finden ungefähr alle zwei bis drei Monate statt.

Nächstes Gespräch dreht sich um Selbstständigkeit

Das nächste Kamingespräch ist für den 21. September geplant. Unter dem Titel „Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit“ geht es um die Gründung eines eigenen Unternehmens. Die Veranstaltung kann damit auch für andere Existenzgründer interessant sein.

Die bisherigen Gespräche finden in Räumen statt, die das Kunstinstitut zur Verfügung stellt. Das Projektteam führt nach eigenen Angaben außerdem Gespräche mit weiteren Bad Kreuznacher Gewerbetreibenden, um künftig möglicherweise auch andere Veranstaltungsorte nutzen zu können.

Weitere Integrationshelden gesucht

Für den Podcast sucht das Team weiterhin Menschen, die ihre Integrationsgeschichte erzählen möchten. Vorschläge und Bewerbungen sind über Instagram oder die Internetseite integrationshelden-im-rampenlicht.de möglich. Dort finden Interessierte auch weitere Informationen und Eindrücke von Podcastaufnahmen und Kamingesprächen.

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