Illegale Müllablagerungen, überfüllte Müllplätze und immer wieder gemeldete Rattensichtungen sorgen in Bad Kreuznach seit Monaten für Diskussionen. Nun kündigt Oberbürgermeister Emanuel Letz ein deutlich konsequenteres Vorgehen an. Nachdem an einem bekannten Müll-Hotspot mögliche Verursacher ermittelt werden konnten, will die Stadt Strafanzeige stellen. Gleichzeitig fordert Letz mehr Eigenverantwortung der Bürger und sieht auch den Landkreis in der Pflicht.
Wilhelmstraße bleibt einer der größten Problemorte
Ein Schwerpunkt der illegalen Müllablagerungen bleibt nach Angaben des Oberbürgermeisters die Wilhelmstraße. Dort würden regelmäßig Müllsäcke, Sperrmüll und andere Abfälle unerlaubt abgestellt. Für Anwohner sei das längst zu einer erheblichen Belastung geworden.
Nun gibt es nach Angaben der Stadt erstmals einen konkreten Ermittlungserfolg. Mögliche Verantwortliche seien identifiziert worden.
„Wir werden Strafanzeige erstatten. Wir werden da mit aller Härte vorgehen, weil das ein unzumutbarer Zustand für unsere Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt ist.“
Die Ankündigung markiert einen neuen Schritt im Umgang mit dem Problem. Während in den vergangenen Monaten vor allem über Zuständigkeiten und mögliche Lösungen diskutiert wurde, soll jetzt verstärkt gegen einzelne Verursacher vorgegangen werden.
Ratten gehören zur Stadt – eine Plage soll verhindert werden
Neben der Vermüllung beschäftigt viele Menschen derzeit auch die Frage, ob die Zahl der Ratten in Bad Kreuznach zunimmt. Letz bestätigt, dass es immer wieder Phasen gebe, in denen mehr Tiere zu beobachten seien. Ratten gehörten zwar zu jeder Stadt, entscheidend sei jedoch, ihre Ausbreitung zu begrenzen.
Als Ursache nennt der Oberbürgermeister vor allem menschliches Verhalten. Offen abgestellte Müllsäcke mit Lebensmittelresten seien ebenso problematisch wie das Füttern von Tauben und Enten. Beides schaffe ideale Bedingungen für Ratten.
„Ratten gehören leider mit zu einer Stadt. Wir müssen Sorge dafür tragen, dass sie sich nicht enorm vermehren.“
Auch warme Temperaturen könnten die Entwicklung zusätzlich begünstigen. Gleichzeitig betont Letz, dass das Problem nicht ausschließlich Großstädte betreffe. Nach seiner Beobachtung gebe es inzwischen auch in ländlichen Regionen häufiger Ratten.
Nicht nur die Stadt soll Verantwortung tragen
Im Streit um die Zuständigkeiten macht der Oberbürgermeister deutlich, dass aus seiner Sicht weder Stadt noch Landkreis die Verantwortung allein tragen können. Beide Seiten müssten gemeinsam nach Lösungen suchen.
Der Hintergrund: Während das Ordnungsamt gegen illegale Müllablagerungen vorgeht, liegt die Organisation der Müllentsorgung beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Bad Kreuznach. Zuletzt hatte es unterschiedliche Auffassungen darüber gegeben, welche Behörde in welchen Fällen verantwortlich ist.
Letz betont deshalb:
„Der Kreis kann sich nicht einfach aus der Verantwortung ziehen.“
Nach seiner Auffassung könne das Problem dauerhaft nur gelöst werden, wenn beide Behörden eng zusammenarbeiten.
Größere Restmülltonnen statt aufwendiger Mülltrennung?
Für besonders belastete Bereiche bringt der Oberbürgermeister erneut einen pragmatischen Vorschlag ins Gespräch. Dort, wo die Mülltrennung dauerhaft nicht funktioniere, könne eine größere Restmülltonne sinnvoller sein als mehrere verschiedene Tonnen.
Nach seiner Einschätzung würden Papier-, Bio- oder Gelbe Tonnen an einigen Standorten ihren eigentlichen Zweck ohnehin verfehlen, weil Abfälle dort häufig falsch entsorgt würden.
Die dadurch entstehenden Mehrkosten sollten allerdings nicht von der Allgemeinheit getragen werden.
„Eine große schwarze Mülltonne kostet mehr. Das wird dann auf die Anwohner umgelegt und nicht auf die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.“
Ob ein solcher Ansatz tatsächlich umgesetzt werden kann, müsste allerdings gemeinsam mit dem Landkreis geprüft werden.
Auch die Bürger stehen in der Verantwortung
Neben behördlichen Maßnahmen appelliert Letz ausdrücklich an die Bevölkerung. Jeder könne dazu beitragen, dass sich die Situation verbessert. Dazu gehöre es, Müll ordnungsgemäß zu entsorgen, keine Abfälle neben Containern abzustellen und keine Wildtiere zu füttern.
Nach Auffassung des Oberbürgermeisters lasse sich das Problem langfristig nur lösen, wenn Verwaltung, Landkreis und Bürgerschaft gemeinsam handeln. Strafanzeigen gegen Müllsünder seien dabei nur ein Baustein. Entscheidend sei, dass illegale Müllablagerungen gar nicht erst entstehen.
Gerade für die betroffenen Anwohner an bekannten Problemstellen wäre das ein deutliches Signal. Sie beklagen seit langer Zeit, dass herumliegender Müll nicht nur das Stadtbild beeinträchtigt, sondern auch Gerüche, Ungeziefer und schließlich Ratten anzieht. Mit der angekündigten konsequenteren Verfolgung möglicher Verursacher macht die Stadt nun deutlich, dass sie diesen Zustand nicht länger hinnehmen will.
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