Nahe Dran: Kreuznacher Stadtwerke

Geschrieben von Thorsten Subat

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Mehr als 1.500 Kilometer Leitungen, rund 75.000 versorgte Menschen und ein Bereitschaftsdienst rund um die Uhr: Hinter der Strom-, Gas- und Wasserversorgung in Bad Kreuznach und den umliegenden Gemeinden steckt ein weit verzweigtes technisches System.

Zum Aufgabenbereich der Kreuznacher Stadtwerke gehören neben den eigentlichen Leitungsnetzen zahlreiche Brunnen, Wasserwerke, Pumpanlagen, Trafostationen, Gasstationen und die Zähler in den Haushalten. Hinzu kommen Glasfasernetze sowie die technische Betreuung der eigenen Gebäude.

Vier unterschiedliche Versorgungsnetze

Die Stadtwerke betreiben Strom-, Gas-, Wasser- und teilweise auch Glasfasernetze. Nicht alle vier Bereiche werden in jeder versorgten Gemeinde angeboten. Welche Aufgabe die Stadtwerke übernehmen, unterscheidet sich von Ort zu Ort.

Die größten Glasfasernetze befinden sich nach Angaben des Technischen Leiters Björn Wendel in Planig, Bosenheim und im Bad Kreuznacher Neubaugebiet „In den Weingärten“. Weitere Glasfaserverbindungen werden für die Steuerung der eigenen technischen Anlagen benötigt.

Während neue Leitungen bis auf wenige Zentimeter genau vermessen werden können, ist die Position älterer Netze teilweise nicht ganz so präzise dokumentiert. Frühere Pläne und Karten wurden nachträglich in die digitalen Systeme übertragen.

Versorgungssicherheit hat höchste Priorität

Die sichere Versorgung der Bevölkerung sei für den technischen Bereich das höchste Gut, erklärte Wendel im Gespräch mit „Nahe Dran“. Die Stadtwerke setzen deshalb auf hochwertige Baumaßnahmen, regelmäßige Wartungen und einen kontinuierlichen Austausch alter Leitungen.

Die Erneuerung der Netze sei allerdings eine Aufgabe für Generationen. Sobald alle Bereiche einmal überarbeitet wurden, müssten die ersten Abschnitte bereits erneut an veränderte technische Anforderungen angepasst werden.

Auch sehr alte Leitungen können deshalb noch vereinzelt vorhanden sein. Die Stadtwerke kennen nach eigenen Angaben die verwendeten Materialien und können einschätzen, welche Belastungen die jeweiligen Leitungen noch aushalten.

Bereitschaftsdienst ist rund um die Uhr erreichbar

Störungen können zu jeder Tages- und Nachtzeit gemeldet werden. Die Anrufe gehen bei einer ständig besetzten Leitstelle von Westnetz ein. Von dort wird der Bereitschaftsdienst der Kreuznacher Stadtwerke informiert, der ebenfalls rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Wie lange die Reparatur dauert, hängt von der Art und dem Umfang des Schadens ab. Zwischen der ersten Meldung und der Wiederherstellung der Versorgung können mehrere Minuten, bei größeren Schäden aber auch Stunden liegen.

Zu den typischen Ursachen gehören technischer Verschleiß, Erdbewegungen und Beschädigungen bei Bauarbeiten. Unternehmen, die im Versorgungsgebiet graben, müssen deshalb zuvor eine Planauskunft einholen. In der Nähe von Leitungen darf das Erdreich nicht bis auf den letzten Zentimeter mit dem Bagger entfernt werden.

Technik grenzt Fehler immer genauer ein

Bei einem Stromausfall können die Fachleute mithilfe der Leitsysteme zunächst feststellen, ob die Störung im Nieder- oder Mittelspannungsnetz liegt. Anschließend fahren Mitarbeiter des Bereitschaftsdienstes zu den Anlagen und grenzen den Fehler gemeinsam mit der Leitstelle weiter ein.

Bei einem Wasserrohrbruch werden einzelne Netzbereiche schrittweise abgesperrt. Dadurch soll möglichst nur der unmittelbar betroffene Abschnitt ohne Wasser bleiben, während die übrigen Haushalte weiter versorgt werden.

Das Abwassernetz gehört dagegen nicht zu den Kreuznacher Stadtwerken. Dafür ist der städtische Abwasserbetrieb zuständig.

Stromnetz muss sich grundlegend verändern

Eine der größten technischen Herausforderungen ist der Umbau des Stromnetzes. Früher kam die Energie überwiegend aus wenigen großen Kohle- oder Atomkraftwerken. Heute speisen immer mehr dezentrale Photovoltaik- und Windkraftanlagen Strom ein.

Gleichzeitig wächst der Verbrauch durch Wärmepumpen, Wallboxen, Batteriespeicher und Klimageräte. Dadurch verändern sich Erzeugung und Strombedarf teilweise bis in einzelne Straßenzüge hinein.

Die Stadtwerke müssen ihre Netze so auslegen, dass sowohl die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien als auch neue Großverbraucher bewältigt werden können. Eine Überlastung des Netzes soll zu jeder Tages- und Nachtzeit vermieden werden.

Zielnetzplanung blickt mehrere Jahre voraus

Mit einer sogenannten Zielnetzplanung haben die Stadtwerke untersucht, wie sich Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Ladestationen in den kommenden Jahren entwickeln könnten. Dafür wurden verschiedene konservative und weitergehende Szenarien erstellt.

Anhand dieser Berechnungen lässt sich erkennen, in welchen Netzabschnitten zuerst Engpässe entstehen könnten. Dort sollen Leitungen und technische Anlagen frühzeitig verstärkt werden.

Die Planung richtet sich damit nicht nur nach dem aktuellen Bedarf. Sie soll das Netz bereits heute auf Entwicklungen vorbereiten, die möglicherweise erst in mehreren Jahren ihre volle Wirkung entfalten.

Smart Meter liefern Viertelstundenwerte

Neben dem Ausbau spielt die Digitalisierung der Stromnetze eine immer größere Rolle. Trafostationen werden mit zusätzlicher Messtechnik ausgerüstet, sodass die Auslastung des Netzes zunehmend in Echtzeit beobachtet werden kann.

Auch intelligente Messsysteme in den Haushalten liefern deutlich mehr Informationen als herkömmliche Stromzähler. Statt eines einzelnen Zählerstandes pro Jahr stehen Viertelstundenwerte zur Verfügung.

Dadurch können die Stadtwerke beispielsweise erkennen, wie die Belastung in einem Straßenzug steigt, wenn viele Elektroautos nach Feierabend gleichzeitig geladen werden. Wiederkehrende Verbrauchsmuster helfen dabei, die weitere Entwicklung des Netzes besser vorherzusagen.

Gasversorgung bleibt unter Beobachtung

Die Stadtwerke verfolgen außerdem die Entwicklung der deutschen Gasspeicher. Das Gas für Bad Kreuznach wird von einem vorgelagerten Netzbetreiber geliefert.

Sollte dieser im Winter nicht mehr genügend Gas bereitstellen können, würden auch bei den Stadtwerken die vorgesehenen Abläufe für eine Gasmangellage beginnen. Privatkunden und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur gehören dabei zu den Verbrauchern, deren Versorgung möglichst lange aufrechterhalten werden soll.

Wärmenetze als mögliche Alternative

Langfristig könnte sich ein Teil des Heizenergiebedarfs vom Gas- auf das Stromnetz verlagern. Eine wichtige Rolle spielen dabei Wärmepumpen. Daneben prüfen die Stadtwerke die Möglichkeiten von Nah- und Fernwärmenetzen.

Die kommunale Wärmeplanung für Bad Kreuznach ist bereits abgeschlossen. Die Stadtwerke wollen deren Ergebnisse nun vertiefen und untersuchen, welche Projekte technisch umsetzbar, wirtschaftlich tragfähig und für die Verbraucher preislich attraktiv sein könnten. Die Wärme soll dabei erneuerbar erzeugt werden.

Vorhandene Gasleitungen lassen sich allerdings nicht einfach in Wärmenetze umwandeln. Geprüft wird stattdessen, ob Teile des Gasnetzes künftig für Wasserstoff geeignet sein könnten. Viele neu eingebaute Komponenten sind bereits darauf vorbereitet.

Wasserstoff kann Erdgas jedoch nicht ohne technische Anpassungen ersetzen. Er besitzt eine geringere Energiedichte und benötigt unter anderem höhere Fließgeschwindigkeiten im Netz.

Jubiläumsfest auf dem Kornmarkt

In diesem Jahr feiern die Kreuznacher Stadtwerke ihr 100-jähriges Bestehen. Das große Jubiläumsfest findet am 26. September ab 11 Uhr auf dem Kornmarkt statt.

Mehrere von den Kreuznacher Stadtwerken unterstützte Vereine beteiligen sich mit Mitmachangeboten. Geplant sind unter anderem Kanufahrten auf dem Mühlenteich, Angebote des Tennisvereins und der Kunstwerkstatt, eine Hüpfburg und Kinderschminken. Außerdem werden Speisen und Getränke angeboten.

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