Das Bad Kreuznacher Bäderhaus stellt seinen kommunalen Betrieb zum 30. Juni 2027 ein. Diesen Beschluss hat der Stadtrat gestern nach einer rund zweistündigen Beratung gefasst. Die Stadt will nun in einem konzeptgebundenen Markterkundungsverfahren nach einer neuen Nutzung für das Gebäude suchen.
Damit ist auch ein Verkauf an einen privaten Betreiber möglich. Dieser könnte die bestehende Saunalandschaft erhalten oder ein neues Angebot aus den Bereichen Wellness und Gesundheit entwickeln.
Arbeitsgruppe empfahl die Schließung
Mit der Zukunft des Bäderhauses hatte sich zuvor eine eigens gegründete Arbeitsgruppe beschäftigt. Nach Angaben von Oberbürgermeister Emanuel Letz arbeiteten darin Vertreter unterschiedlicher Parteien zusammen.
Die Empfehlung, den kommunalen Betrieb aufzugeben, sei innerhalb der Arbeitsgruppe einstimmig und parteiübergreifend beschlossen worden. Trotz unterschiedlicher politischer Positionen habe es keine Aussicht auf einen wirtschaftlich tragfähigen Weiterbetrieb durch die Stadt gegeben.
Auch die anschließende Debatte im Stadtrat sei nicht hitzig, aber von vielen Emotionen geprägt gewesen. Das Bäderhaus sei ein schönes Gebäude mit einer attraktiven Saunalandschaft. Über eine mögliche Schließung werde allerdings bereits seit Jahren regelmäßig diskutiert.
Jährliches Defizit von rund einer Million Euro
Das Bäderhaus verursacht nach Angaben des Oberbürgermeisters jährlich ein Defizit von etwa einer Million Euro. Hinzu kämen notwendige Investitionen in Millionenhöhe.
Anders als bei anderen Einrichtungen könnten für die Saunalandschaft keine Fördermittel von Bund oder Land erwartet werden. Das Salinenbad und insbesondere die Crucenia Therme hätten dagegen bessere Fördermöglichkeiten.
Letz räumte ein, dass das Bäderhaus unter den drei Einrichtungen das geringste laufende Defizit verursache. Es habe allerdings auch das geringste Besucheraufkommen. Die Crucenia Therme werde von deutlich mehr Menschen genutzt und besitze nach Einschätzung der Stadt ein wesentlich größeres Entwicklungspotenzial.
Crucenia Therme soll langfristig erhalten bleiben
Das Ziel der Neustrukturierung sei vor allem, die Crucenia Therme einschließlich des Gesundheitszentrums langfristig zu sichern. Gemeinsam mit den Gradierwerken gehöre sie zu den wichtigsten Einrichtungen für den Kur- und Gesundheitsstandort Bad Kreuznach.
In die Therme müsse in den kommenden Jahren investiert werden. Durch die Aufgabe des kommunalen Bäderhausbetriebs sollen dafür finanzielle Spielräume entstehen.
Auch die städtischen Gesellschaften und ihre steuerlichen Verbindungen sollen neu strukturiert werden. Das Bäderhaus und die Therme nutzen teilweise gemeinsame technische Einrichtungen und sind unterirdisch miteinander verbunden. Hinzu kommen Verbindungen zwischen Therme und Kurhaus, unter anderem durch den Bademantelgang.
Kleinere Sauna-Ergänzung in der Therme denkbar
In den vergangenen Beratungen wurde außerdem geprüft, ob einzelne Angebote des Bäderhauses in die Crucenia Therme oder das Salinenbad integriert werden könnten.
Grundsätzlich könne eine Verbindung von Therme und Sauna wirtschaftlich sinnvoll sein, erklärte Letz. In vielen anderen Thermen seien beide Angebote in einem Gebäude untergebracht. In Bad Kreuznach führten die getrennten Standorte dagegen zu kostenintensiven Doppelstrukturen.
Ob künftig Saunen in der Crucenia Therme eingerichtet werden können, hängt nach Angaben des Oberbürgermeisters von den Förderbedingungen ab. Gespräche mit möglichen Fördermittelgebern habe es bereits gegeben. Eine kleinere Ergänzung des Thermalbadangebots durch eine Sauna halte Letz grundsätzlich für sinnvoll.
Stadt hofft auf privaten Investor
Die Einstellung des kommunalen Betriebs bedeutet nicht zwangsläufig das endgültige Ende des Bäderhauses. Im geplanten Markterkundungsverfahren soll geprüft werden, ob ein privater Investor das Gebäude übernehmen kann.
Ein neuer Eigentümer könnte die Saunalandschaft weiterführen oder ein anderes Konzept aus dem Wellness- und Gesundheitsbereich verwirklichen. Ob eine solche Lösung gefunden wird, sei derzeit offen. Die Stadt wolle jedoch intensiv daran arbeiten.
Die Entscheidung sei schwergefallen, aufgrund der wirtschaftlichen Zahlen aber notwendig gewesen. Nach Einschätzung des Oberbürgermeisters kam sie noch rechtzeitig, um die städtischen Bäder und Gesellschaften zukunftsfähiger aufzustellen.
Friedliche Bilanz zum Kreuznacher Jahrmarkt
Positiv blickte Letz im Gespräch auch auf den gerade beendeten Bad Kreuznacher Jahrmarkt zurück. Nach den Rückmeldungen von Deutschem Roten Kreuz, Polizei und Vollzugsdienst sei es einer der friedlichsten Jahrmärkte überhaupt gewesen.
Gleichzeitig seien auch die Schausteller mit dem Verlauf zufrieden. Damit habe die Veranstaltung gezeigt, dass sie sowohl gut besucht als auch friedlich verlaufen könne. Lediglich der traditionell verregnete Dienstag habe das ansonsten positive Gesamtbild etwas getrübt.


